Ignorierte Warnungen im Zusammenhang mit der DB-Entgleisung 2022

Ignorierte Warnungen im Zusammenhang mit der DB-Entgleisung 2022
@ FB Der Eisenbahner
Untersuchung findet fehlerhafte Schwellen und Managementfehler bei Entgleisung in Garmisch-Partenkirchen.

Die Deutsche Bahn hat nach Abschluss einer unabhängigen Untersuchung des Zugunglücks von Garmisch-Partenkirchen 2022, bei dem fünf Menschen starben und 72 verletzt wurden, weitreichende Versäumnisse eingeräumt. Der von der Anwaltskanzlei Gleiss Lutz erstellte Bericht kommt zu dem Ergebnis, dass das Unglück durch defekte Betonschwellen und vermeidbare Fehler sowohl auf Betriebs- als auch auf Managementebene verursacht wurde.

Der Regionalexpress entgleiste am 3. Juni 2022 zwischen Garmisch-Partenkirchen und Farchant. Den Ermittlern zufolge hatten die Schwellen durch chemische Reaktionen im Inneren des Stahlbetonkerns ihre Festigkeit verloren. Befragungen von mehr als 60 Personen und die Analyse von zehn Millionen Datenpunkten ergaben, dass Warnhinweise ignoriert worden waren.

Die Anwaltskanzlei kam zu dem Schluss, dass der Absturz "vermeidbar" war, und verwies auf Regelverstöße des Personals vor Ort und unzureichende Maßnahmen des damaligen DB Netz-Managements trotz umfassender Kenntnis der mangelhaften Schwellen. Auch ehemalige Vorstandsmitglieder werden beschuldigt.

"Dieses Ergebnis ist schockierend und zutiefst traurig", sagte Philipp Nagl, Chef von DB InfraGO. "Ich kann den Hinterbliebenen und den Opfern versichern, dass wir bereits umfassende Konsequenzen gezogen haben und weiter ziehen werden. Dazu gehören Maßnahmen gegen die Verantwortlichen und neue Sicherheitsvorkehrungen, um künftiges Fehlverhalten zu verhindern."

Die DB hat bereits ein umfassendes Schwellenaustauschprogramm gestartet und bisher rund zwei Millionen Schwellen entfernt. Außerdem wurden strengere technische Richtlinien, Schulungsmaßnahmen und eine Sicherheitsüberwachung eingeführt. Ein langfristiges Sanierungsprojekt, das bis 2027 laufen soll, wird organisatorische, verfahrenstechnische und kulturelle Mängel beheben.

InfraGO bestätigte, dass sie auch Schadensersatzansprüche gegen ehemalige Vorstandsmitglieder geltend machen wird. Gleiss Lutz wird die Sanierungsbemühungen der DB im Rahmen der freiwilligen Aufsicht überwachen. Nagl fügte hinzu: "Wir werden die Lehren aus diesem Bericht kompromisslos umsetzen."


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