Stadler hat einen Vertrag über den Kauf, die Modernisierung und den Weiterverkauf von 93 GTW-Gelenktriebzügen unterzeichnet, die zuvor von der Schweizer Regionalbahn Thurbo betrieben wurden, an die Ungarische Staatsbahn (MÁV). Die Züge werden zwischen 2027 und 2034 in modernisierter Form nach Ungarn geliefert und ersetzen ältere Fahrzeuge der Regionalflotte der MÁV.
Das Projekt ist eine Antwort auf den wachsenden Bedarf der MÁV an einer Erneuerung des Rollmaterials in den kommenden Jahren. Neben der Anschaffung neuer Züge prüfte der ungarische Betreiber auch den Einsatz von Gebrauchtfahrzeugen, um die Kapazitäten schneller auszubauen. Nach einer technischen Bewertung der Umrüstungsanforderungen und der Bedingungen für eine erneute Zulassung für das ungarische Netz identifizierte Stadler die GTW-Flotte von Thurbo als geeignet für eine Umrüstung.
Im Rahmen der Vereinbarung wird Stadler die Fahrzeuge in jährlichen Chargen übernehmen und umfassende Modernisierungsarbeiten durchführen. Nach der Sanierung werden die Züge den ungarischen Fahrgästen rund 14.000 zusätzliche Sitzplätze bieten und einen Komfort bieten, der mit der bereits im Land eingesetzten FLIRT-Flotte von Stadler vergleichbar ist.
Das Modernisierungsprogramm umfasst die Installation neuer Fahrgastinformationssysteme, Videoüberwachung an Bord, Fahrerassistenzcomputer und Schiebetreppen, die an die ungarischen Bahnsteighöhen angepasst sind. Die Züge werden außerdem mit einem kombinierten Mirel- und ETCS-Baseline-4-Zugsicherungssystem ausgestattet und für den Betrieb unter dem ungarischen 25-kV-Elektrifizierungssystem umgerüstet. Jede Einheit wird in den Unternehmensfarben der MÁV neu lackiert und mit neuen Sitzbezügen ausgestattet. Der Umbau dauert pro Zug etwa zwölf Wochen.
Derzeit werden in der Schweiz Prototyp-Umrüstungen durchgeführt, während Stadler die Einrichtung einer Serviceeinrichtung in Ungarn vorbereitet, um die Serienmodernisierung und die anschließenden Wartungsarbeiten zu unterstützen.
Aus Sicht des Lebenszyklus verlängert das Projekt die Betriebsdauer relativ moderner Triebzüge und bietet eine Alternative zum Kauf komplett neuer Fahrzeuge. Stadler positioniert das Thurbo GTW-Programm als Referenzmodell für künftige Second-Life-Projekte, insbesondere für Flotten, die in den letzten zwei Jahrzehnten ausgeliefert wurden und nun ausgemustert werden, da die Betreiber auf neuere Generationen umsteigen.
Die GTW-Flotte von Thurbo umfasste ursprünglich 110 Fahrzeuge. Der Schweizer Betreiber begann 2021 mit deren Ersatz durch FLIRT Evo-Züge von Stadler und plant, die GTW bis 2034 vollständig aus dem Verkehr zu ziehen, was mit der schrittweisen Übergabe an Ungarn einhergeht.