Umstrukturierung SBB Cargo: Kostensenkung und neues Betriebsmodell

Umstrukturierung SBB Cargo: Kostensenkung und neues Betriebsmodell
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Die Umstellung betrifft den kombinierten Verkehr, den Einzelwagenverkehr, die Partnerzüge und die Verteilung des Personals, insbesondere im Kanton Tessin.

Nach Frankreich, Deutschland, Polen und Tschechien sucht nun auch SBB Cargo nach Wegen, den Güterverkehr rentabel zu gestalten, während die Bahn entgegen den EU-Vorgaben Marktanteile verliert. Die SBB hat eine umfassende Restrukturierung ihrer Güterverkehrssparte eingeleitet, um Verluste zu reduzieren und den Betrieb neu zu organisieren.

Jährliche Verluste und Druck, Kostendeckung zu erreichen

SBB Cargo Schweiz erwirtschaftet ein jährliches Defizit von CHF 80 Millionen, was etwa EUR 83 Millionen entspricht. Es wird erwartet, dass sich die Güterverkehrssparte finanziell selbst trägt, da sie nach Schweizer Verkehrsrecht nicht als öffentlicher Dienst eingestuft ist. Nach Angaben des Unternehmens ist dieser strukturelle Verlust auf veraltetes Rollmaterial, ineffiziente Betriebsmodelle und sinkende Volumen zurückzuführen.

Der kombinierte Verkehr erwirtschaftet derzeit 18 Mio. CHF (ca. 18,7 Mio. EUR) an Einnahmen, macht aber 12 Mio. CHF (12,5 Mio. EUR) Verlust. Der größte Teil der Verluste entfällt auf den Einzelwagenverkehr, der jährlich fast 80 Mio. CHF (83 Mio. EUR) ausmacht.

© SBB Cargo
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Reduzierung der Terminals für den kombinierten Verkehr und Einführung eines Shuttle-Dienstes

Um die Kosten zu senken, wird die SBB bis Ende 2025 acht Terminals des Kombinierten Verkehrs (KV) aufgeben und ein vereinfachtes Shuttle-Modell einführen, das sich auf den stark nachgefragten Nord-Süd-Korridor konzentriert. Ab 2026 wird eine neue Verbindung zwischen Dietikon und Stabio mit zwei Hin- und Rückfahrten pro Tag - eine Tages- und eine Nachtverbindung - eingeführt.

Obwohl der KV derzeit nur rund 6 % des Transportvolumens von SBB Cargo ausmacht, bleibt er ein sichtbarer Teil der Aktivitäten des Unternehmens. Die Umstrukturierung könnte zu schätzungsweise 70 zusätzlichen Lkw pro Tag oder rund 20.000 Lkw pro Jahr auf Schweizer Straßen führen, wenn die Verlagerung auf die Schiene die reduzierte KV-Abdeckung nicht kompensiert.

Die SBB prüft auch die Übertragung bestimmter Terminals an Drittbetreiber. Anlagen wie Cadenazzo können für den Güterverkehr zugänglich bleiben, insbesondere wenn die Nachfrage von Kunden wie Postunternehmen anhält.

Partnerzüge mit DB Cargo werden eingestellt

Bis Ende 2025 wird die SBB den unrentablen Transitverkehr für DB Cargo einstellen. Diese sogenannten "Partnerzüge" werden heute von SBB Cargo quer durch die Schweiz von der deutschen bis zur italienischen Grenze abgewickelt. Es wird erwartet, dass DB Cargo den Betrieb jenseits von Chiasso übernimmt. Andere Kooperationen mit DB Cargo im Import-/Exportverkehr bleiben davon unberührt.

Reform des Einzelwagenverkehrs steht an

Das Einzelwagensystem, das landesweit gemischte Transporte für verschiedene Kunden abwickelt, wird grundlegend überarbeitet. Die SBB arbeitet mit wichtigen Kunden an einem neuen, kostenoptimierten Produktionsmodell. Konkrete Entscheide über personelle Auswirkungen wurden nicht bekannt gegeben.

© RAlpin
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Ende des rollenden Landstraßendienstes

Die RAlpin AG - ein Gemeinschaftsunternehmen von SBB, BLS und Hupac - wird den Betrieb der Rollenden Landstrasse (RoLa) per Dezember 2025 einstellen, früher als bisher geplant im Jahr 2028. Im Jahr 2023 beförderte die RoLa 80'000 Lastwagen, was 7% des gesamten kombinierten Transitverkehrs in der Schweiz entspricht. Einschränkungen in der Infrastruktur und gestiegene Kosten trugen zur vorzeitigen Einstellung des Betriebs bei. Die SBB beabsichtigt, mindestens 50% der RoLa-Kunden durch andere Angebote des unbegleiteten kombinierten Verkehrs zu halten.

Auswirkungen auf die Arbeitskräfte und die Region Tessin

Im Rahmen der Restrukturierung werden bis Ende 2025 schweizweit 65 Stellen abgebaut. Darunter sind rund 40 Stellen im Tessin. Nach Angaben der SBB sind in der Region keine Entlassungen geplant. Es wird nach internen Lösungen gesucht, um die betroffenen Mitarbeitenden umzuverteilen, insbesondere für Lokführer- und Infrastrukturstellen.

Die SBB beschäftigt im Tessin nach wie vor rund 2'200 Personen. In den letzten fünf Jahren hat das Unternehmen 260 neue Arbeitsplätze im Kanton geschaffen und baut einen neuen Standort in Arbedo-Castione, der über 360 Arbeitsplätze, darunter 80 Lehrstellen, schaffen wird.

Langfristiges Konzept: "Suisse Cargo Logistics"

Die Transformation orientiert sich an dem 2022 vorgestellten Rahmenkonzept "Suisse Cargo Logistics". Der Schwerpunkt liegt auf der Verlagerung von Schwerlasttransporten auf die Schiene über weite Strecken unter Beibehaltung einer engen Verzahnung mit der Strassenlogistik. Die künftige Infrastruktur im Rahmen dieses Modells erfordert längere Gleise (400 m) und vollautomatische Krananlagen. Die SBB führt derzeit Gespräche mit Bundes- und Kantonsbehörden sowie mit potenziellen Kunden, um Land und Finanzierung zu sichern.

Der kombinierte Verkehr soll im Rahmen des neuen Systems ausgebaut werden, wenn sich das Shuttle-Modell als rentabel erweist. Die Ausdehnung auf die gesamte Schweiz hängt vom Ausbau der Infrastruktur und der automatischen Umschlagskapazität ab.

© SBB Cargo
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Schienengüterverkehrsmarkt in der Schweiz

Die Schweizer Güterbahn arbeitet in einem liberalisierten Umfeld. Nur der internationale Nord-Süd-Korridor unterliegt einem Verlagerungsauftrag. Der inländische Schienengüterverkehr wird vom Markt bestimmt, und die Subventionen des Bundes sind derzeit befristet. Das Schweizer Parlament hat die Kostendeckungspflicht mit der Änderung des Güterverkehrsgesetzes Anfang dieses Jahres bekräftigt.

Die kumulierten Verluste von SBB Cargo im Güterverkehr haben in den letzten Jahren CHF 1,3 Milliarden (EUR 1,35 Milliarden) erreicht. Das Unternehmen will die finanzielle Stabilität durch eine Optimierung des Netzes, eine Verringerung des Leistungsumfangs und eine Neuausrichtung der Betriebsmodelle wiederherstellen.


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