Die Internationale Union der Wagenhalter (UIP) hat den Schritt der Schweiz, ihre strengen neuen Vorschriften für die Wagenkontrolle um ein Jahr zu verschieben, vorsichtig begrüßt. Die vom Schweizer Bundesamt für Verkehr (BAV) eingeführten Maßnahmen werden nun ab Ende 2026 gelten. Die UIP warnt jedoch, dass die Entscheidung - die ohne koordinierte EU-Konsultation getroffen wurde - weiterhin ein großes Risiko für den freien Warenverkehr in Europa darstellt.
Nach Ansicht der UIP hat der Schweizer Plan nach wie vor "schwerwiegende betriebliche und wirtschaftliche Folgen" für den grenzüberschreitenden Schienengüterverkehr, insbesondere auf wichtigen Alpentransitkorridoren. Die Organisation argumentiert, dass die Vorschriften dem Landverkehrsabkommen zwischen der EU und der Schweiz widersprechen und gegen den Grundsatz der Interoperabilität verstoßen.
"Diese zusätzliche Zeit muss genutzt werden, um koordinierte, evidenzbasierte Lösungen zu entwickeln, die die Sicherheit erhöhen, ohne den Betrieb zu stören", so die UIP.
Fortschritte bei der Sicherheit anerkannt, aber Bedenken bleiben bestehen
Die UIP betont, dass die Wagenhalter bereits eine führende Rolle bei der Verbesserung der Eisenbahnsicherheit in Europa gespielt haben - sie investieren jährlich mehr als 2 Milliarden Euro in Wagentechnologie, Überwachungssysteme und Instandhaltung. Über das Gemeinsame Netzsekretariat (JNS) hat der Sektor wichtige Sicherheitsverbesserungen unterstützt, einschließlich moderner Radkonstruktionen und strengerer Instandhaltungsregelungen.
Trotzdem schreibt der Schweizer Beschluss vor, dass die Wagen nur in stationären Werkstätten und außerhalb der regulären Wartungsintervalle geprüft werden dürfen, was laut UIP die Verfügbarkeit der Wagen erheblich einschränken und die industriellen Lieferketten unterbrechen würde. Auch nach Anpassungen könnten noch rund 46.000 Wagen der UIP-Mitglieder betroffen sein.
Rechtliche und marktwirtschaftliche Implikationen
Die UIP stellt fest, dass mehrere Akteure der Branche derzeit rechtliche Schritte gegen die Entscheidung des BAV vorbereiten. Da der größte Teil des Güterverkehrs durch die Schweiz grenzüberschreitend ist, warnt die Organisation, dass einseitige nationale Regelungen die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Logistik beeinträchtigen könnten.
Aufruf zu einer gemeinsamen europäischen Lösung
Die UIP fordert die Schweiz, die Eisenbahnagentur der Europäischen Union (ERA) und JNS auf, den Aufschub zu nutzen, um sich bis 2026 auf einen einheitlichen harmonisierten Rahmen zu einigen.
"Die Sicherheit muss kollektiv verbessert werden - nicht durch isolierte nationale Entscheidungen", sagte die UIP und fügte hinzu, dass die Zusammenarbeit sowohl für die Sicherheit des Schienenverkehrs als auch für die wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit unerlässlich sei.