Polen hat sein erstes Vergabeverfahren für den Bau einer Hochgeschwindigkeitsbahn für Geschwindigkeiten von über 250 km/h eingeleitet und damit eine neue Phase des vonCentralny Port Komunikacyjny (CPK) geleiteten Port Polska-Programms eingeleitet.
Die CPK hat ein wettbewerbliches Dialogverfahren eingeleitet, das erste seiner Art für Hochgeschwindigkeits-Eisenbahninfrastruktur in Mittel- und Osteuropa. Bewerbungen für die Teilnahme können bis zum 2. März 2026 eingereicht werden. In der nächsten Phase werden voraussichtlich bis zu sechs Auftragnehmer in die engere Wahl kommen. Der ausgewählte Auftragnehmer wird sowohl für die Bauarbeiten als auch für Teile der Detailplanung verantwortlich sein.
Das "Y"-Netz
Der Abschnitt ist Teil des geplanten "Y"-Netzes, das Warschau mit Łódź, Poznań und Wrocław verbindet. Die Infrastrukturparameter, darunter Steigungen, Kurvenradien, Weichen und eine 25-kV-Wechselstrom-Oberleitung, werden für den Betrieb mit Geschwindigkeiten von bis zu 350 km/h spezifiziert. Das bestehende polnische Netz wird derzeit hauptsächlich mit 3-kV-Gleichstrom betrieben, wobei auf der Strecke Warschau-Gdańsk planmäßig Höchstgeschwindigkeiten von 200 km/h erreicht werden und auf der Hauptstrecke der Zentralbahn bis zu 250 km/h geplant sind.
Nach den Prognosen des Projektträgers dürfte der Korridor Warschau-Łódź nach seiner Inbetriebnahme einen erheblichen Anteil der Fernverkehrsnachfrage in Polen auf sich ziehen. Der erste 13 km lange Abschnitt ist das erste Baupaket der Strecke Warschau-Łódź, die als Kernstück des breiteren Hochgeschwindigkeitsbahnnetzes gilt.
Das Ausschreibungsverfahren ist in zwei Phasen unterteilt, wobei sich die Auswahlkriterien auf die Erfahrung der Auftragnehmer mit abgeschlossenen Bauprojekten, einschließlich in Polen ausgeführter Arbeiten, konzentrieren. Die Bewertung der Angebote erfolgt anhand des Preises und der Länge der angebotenen Garantiezeit.
Fortschritt der vorbereitenden Arbeiten
Die vorbereitenden Arbeiten für die Strecke Warschau-Łódź schreiten voran. Im Dezember 2025 wurde für einen 120 km langen Streckenabschnitt ein Vollstreckungsverfahren im Zusammenhang mit archäologischen Untersuchungen eingeleitet, weitere Untersuchungen sind geplant. Die Planungsarbeiten stehen kurz vor dem Abschluss, und 10 von 12 Anträgen auf Standortentscheidungen sind bereits eingereicht worden. Die erste Standortentscheidung wurde für einen Abschnitt bei Warschau West erlassen.
CPK plant für 2026 weitere Ausschreibungen für weitere Abschnitte der Strecke Warschau-Łódź, die insgesamt rund 93 km umfassen, sowie separate Ausschreibungen für Signal- und Leitsysteme, Telekommunikation, Bahnstromversorgung und die Oberleitung für den gesamten Korridor.
Auch in Łódź sind Bauarbeiten im Zusammenhang mit dem Tunnelbau für Fernverkehrsverbindungen im Gange. Dazu gehören der abgeschlossene Bau der Startkammer Retkinia und die laufenden Arbeiten an der Fabryczna-Kammer und nahe gelegenen Bauwerken. Im Juni 2025 wurde ein Tunnelbauvertrag im Wert von rund 500 Mio. EUR unterzeichnet, und die Arbeiten sollen im vierten Quartal 2026 beginnen.
Die Hochgeschwindigkeitsstrecke Warschau-Łódź soll im Jahr 2032 in Betrieb genommen werden, zeitgleich mit der Eröffnung des neuen Flughafens. Weitere Hochgeschwindigkeitsstrecken von Łódź über Sieradz nach Wrocław und Poznań sollen bis Ende 2035 folgen.