Die DB Regio bereitet weitere Sicherheitsmaßnahmen für den Regionalverkehr vor, nachdem im Jahr 2025 mehr als 3.000 Übergriffe auf Mitarbeiter der Deutschen Bahn verzeichnet wurden.
Die Maßnahmen folgen auf mehrere schwerwiegende Vorfälle, an denen Bahnmitarbeiter beteiligt waren, darunter der tödliche Angriff auf den DB-Mitarbeiter Serkan Çalar während einer Fahrkartenkontrolle in einem Regionalzug in der Nähe von Kaiserslautern im Februar 2026. Sein Tod löste in Deutschland eine breite Debatte über den Schutz von Bahnmitarbeitern im Kundendienst aus und veranlasste die DB, mehrere Sicherheitsmaßnahmen voranzutreiben.
Die Neuigkeiten wurden am Frankfurter Hauptbahnhof von Harmen van Zijderveld, Vorstandsvorsitzender der DB Regio AG, gemeinsam mit Ralf Damde, dem Vorsitzenden des Gesamtbetriebsrats der DB Regio AG, vorgestellt.
„Angst hat in unseren Zügen keinen Platz. Wir können gesellschaftliche Entwicklungen zwar nicht ändern, aber wir können dafür sorgen, dass unsere Züge Orte der Sicherheit und des Respekts im öffentlichen Raum sind – für Mitarbeiter und Fahrgäste“, sagte Harmen van Zijderveld.
Nach Angaben von DB Regio gingen die körperlichen Übergriffe im überregionalen Nahverkehr im Jahr 2025 im Vergleich zu 2024 um 7 % zurück. Das regionale Bild ist jedoch uneinheitlich. In der Region Mitte, die Hessen, Rheinland-Pfalz, das Saarland und Nordbaden umfasst, stiegen die körperlichen Übergriffe im gleichen Zeitraum um 15 %.
DB Regio erprobt daher in Zusammenarbeit mit Verkehrsverbünden, Verkehrsverbänden und Arbeitnehmervertretern neue Personalmodelle. Dazu gehören die sogenannte 1:1-Begleitung, bei der das Kundendienstpersonal von einer zusätzlichen Person mit Sicherheitskenntnissen unterstützt wird, sowie die doppelte Besetzung im Kundendienst.
Van Zijderveld erklärte, beide Ansätze hätten gezeigt, dass Konfliktsituationen effektiver bewältigt werden können und über die Pilotregion hinaus einsatzbereit seien. Damde verwies auf das Pilotprojekt „Tandemstreife“ im RMV-Gebiet und erklärte, der Einsatz von Sicherheitspersonal an der Seite von Kundendienstmitarbeitern sei „der richtige Schritt“ und solle Teil des regulären Betriebs werden.
Ab Juli wird DB Regio im Rahmen einer erweiterten persönlichen Schutzausrüstung für das Kundenbetreuungspersonal zudem einen Testlauf mit stichfesten Schutzwesten starten. Das Unternehmen hat zudem die obligatorischen Deeskalationsschulungen bundesweit um ein neues Modul zum Thema Selbstbehauptung in Zügen erweitert.
Bodycams sind ein weiterer wichtiger Faktor. Nach Angaben von DB Regio kam es bei mehr als 500 Vorfällen, bei denen Bodycams aktiviert werden mussten, nur in einem Fall zu einem schweren Angriff. Das Tragen einer Bodycam ist für die Mitarbeiter von DB Regio weiterhin freiwillig, doch das Unternehmen verstärkt die Schulungen, um eine breitere Nutzung zu fördern.
Die Zahl der verfügbaren Bodycams ist seit Februar auf 1.750 gestiegen, und DB Regio geht davon aus, dass alle betroffenen Mitarbeiter bis August geschult sein werden. „Jeder, der eine Bodycam haben möchte, wird eine bekommen“, sagte van Zijderveld.
DB Regio arbeitet zudem daran, bei aktivierten Bodycams neben Videoaufnahmen auch Tonaufnahmen zu ermöglichen. Das Unternehmen geht davon aus, dass dies sowohl der Prävention als auch der Aufklärung von Straftaten zugutekommt; ein Start ist möglicherweise ab Herbst vorgesehen.
Ein weiterer Schritt, der derzeit geprüft wird, ist der Einsatz künstlicher Intelligenz. Künftig könnten Kamerabilder aus Zügen in Echtzeit an eine Verkehrsleitzentrale übertragen werden, wo KI Konflikte, Unruhen oder bedrohliche Situationen erkennen und ein schnelleres Eingreifen auslösen würde.
„Dass der Einsatz von KI im Rahmen der Datenschutzbestimmungen technisch und rechtlich möglich ist, zeigt ein Pilotprojekt in Bremen. Darauf wollen wir aufbauen. Für unsere Mitarbeiter wäre dies eine enorme Unterstützung mit starker präventiver Wirkung“, sagte van Zijderveld.
Damde fügte hinzu, dass der Einsatz von KI noch in den Kinderschuhen stecke und nach wie vor fehleranfällig sei, erklärte jedoch, dass jedes Instrument, das zum Schutz der Mitarbeiter beitragen könne, in Betracht gezogen werden sollte.