Europa ist weltweit führend auf dem Markt für Eisenbahnsignalanlagen

Europa ist weltweit führend auf dem Markt für Eisenbahnsignalanlagen
© SCI Verkehr
Europa ist mittlerweile der weltweit größte Markt für Steuerungs-, Leit- und Signaltechnik (CCS), wobei die Modernisierung der alternden Schienennetze das Wachstum vor China antreibt.

Europa hat sich zum weltweit größten Markt für Steuerungs-, Leit- und Signaltechnik (CCS) entwickelt und China überholt, da der Druck wächst, die veraltete Eisenbahninfrastruktur zu modernisieren und die Netzkapazitäten auszubauen.

Laut einer neuen Marktstudie von SCI Verkehr macht Europa mittlerweile fast die Hälfte des weltweiten CCS-Marktes aus, dessen Umfang auf rund 20 Milliarden Euro geschätzt wird. Der Haupttreiber sind dabei nicht groß angelegte Neubauprojekte, sondern die Erneuerung und digitale Modernisierung bestehender Netze. Der in der Studie enthaltenen Grafik zufolge entfallen im Jahr 2025 rund 90 % des europäischen CCS-Marktes auf die Modernisierung und Instandhaltung des bestehenden Netzes, während nur 10 % auf neue Infrastruktur entfallen.

SCI Verkehr argumentiert, dass veraltete Signalsysteme sowohl aus betrieblicher als auch aus finanzieller Sicht zunehmend untragbar werden. In den dichten und komplexen Schienennetzen Europas gelten neuere CCS-Systeme als eine der wenigen realistischen Möglichkeiten, die Kapazität zu erhöhen, die langfristigen Kosten zu senken und die Zuverlässigkeit zu verbessern, ohne sich ausschließlich auf neue Strecken zu verlassen. Daher erwartet das Beratungsunternehmen, dass Europa bis 2030 weltweit das schnellste Wachstum auf dem CCS-Markt verzeichnen wird.

Gleichzeitig wird in dem Bericht betont, dass Europa bei der allgemeinen Standardisierung und Einführung von Signalsystemen weiterhin hinter Asien zurückbleibt. Die Interoperabilität stellt nach wie vor eine strukturelle Herausforderung dar, da nationale Ansätze die Harmonisierung der Zugsteuerungssysteme weiterhin verlangsamen. Die Einführung des ETCS wurde in mehreren Ländern wiederholt verschoben, was bedeutet, dass die Kluft zwischen politischen Ambitionen und der tatsächlichen Umsetzung auf dem gesamten Kontinent nach wie vor deutlich zu erkennen ist.

In den nächsten zehn Jahren wird der europäische Markt voraussichtlich vor allem durch ETCS, digitale Stellwerke und Fortschritte bei FRMCS geprägt sein, dem künftigen mobilen Kommunikationssystem für den Schienenverkehr, das GSM-R ablösen soll. Zusammen werden diese Technologien zunehmend als Rückgrat der Digitalisierung im Schienenverkehr angesehen, da sie Signalisierung, Zugsicherung, Kommunikation und Betriebssteuerung enger als bisher miteinander verknüpfen.

China bleibt die dominierende Kraft in Asien und macht mehr als 65 % des regionalen CCS-Marktes aus. Dort wird das Wachstum weiterhin durch den Ausbau des Hochgeschwindigkeits- und Nahverkehrs vorangetrieben, wenn auch in einem langsameren Tempo als im vergangenen Jahrzehnt. Gleichzeitig treibt China die Digitalisierung und Automatisierung des Bahnbetriebs voran, unter anderem durch umfangreiche Investitionen in moderne Zugsteuerungssysteme und 5G-basierte Eisenbahnkommunikation.

Weltweit stellen Zugsteuerungssysteme mittlerweile das größte Produktsegment auf dem CCS-Markt dar und machen rund 40 % des Gesamtvolumens aus. Laut SCI Verkehr treiben diese Systeme einen umfassenden technologischen Wandel voran und ermöglichen eine effizientere Nutzung begrenzter Infrastrukturkapazitäten, automatisierten Betrieb, eine bessere Energieeffizienz und höheren Fahrgastkomfort. Neue Generationen von ETCS und CBTC kurbeln zudem die Nachfrage in angrenzenden Segmenten wie digitalen Stellwerken und Betriebs-Telematik an.

Die Studie weist zudem auf eine starke Dynamik im Bereich des städtischen Schienenverkehrs hin. Betreiber von U-Bahnen und Nahverkehrszügen investieren massiv in CCS, da Städte nach effizienteren und emissionsärmeren Verkehrssystemen suchen. Hochgeschwindigkeitsbahnprojekte in Asien – insbesondere in China – und in Europa sorgen für eine zusätzliche Nachfrage nach fortschrittlichen Signal- und Zugsteuerungssystemen.

Insgesamt lässt der Bericht darauf schließen, dass der CCS-Markt in eine neue Phase eintritt, in der die Modernisierung – insbesondere in Europa – an Bedeutung gewinnt und den reinen Ausbau übertrifft. Für die Bahnbranche bedeutet dies, dass die Signaltechnik nicht mehr nur ein technisches Teilsystem ist: Sie spielt eine zunehmend zentrale Rolle für die Kapazitätsstrategie, die Automatisierung, die Kostenkontrolle und die allgemeine digitale Transformation der Eisenbahn.


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