Neue SŽ-Regeln senken die Hürden für Auftragnehmer

Neue SŽ-Regeln senken die Hürden für Auftragnehmer
© Správa železnic
Správa železnic ändert ihr Beschaffungsmodell, öffnet mehr Aufträge für spezialisierte Anbieter und lockert die Qualifikationsanforderungen.

Die Správa železnic (SŽ) reformiert ihre Beschaffungsprozesse für Bauleistungen, Technik, Dienstleistungen und Materialien – ein Schritt, der den Zugang zum tschechischen Eisenbahnmarkt für Auftragnehmer und Lieferanten erheblich verändern könnte.

Für Unternehmen, die im Bereich der Schieneninfrastruktur tätig sind, lautet die Botschaft ganz klar: weniger überdimensionierte Sammelaufträge, einfachere Qualifikationsverfahren, mehr spezialisierte Leistungspakete und eine stärkere Nutzung digitaler Beschaffungsinstrumente.

Von großen Paketen hin zu mehr Wettbewerb

Im Mittelpunkt der Reform steht die Abkehr von großen Pauschalverträgen hin zu Ausschreibungen nach Gewerken. In der Praxis bedeutet dies, dass voraussichtlich mehr Projekte in einzelne Lose aufgeteilt werden, die Bereiche wie Infrastrukturarbeiten, Antrieb und Stromversorgung, Signaltechnik, Telekommunikation, ETCS oder GSM-R abdecken.

Für Lieferanten ist dies eine der wichtigsten Änderungen. Anstatt sich nur über einen Generalunternehmer an Projekten zu beteiligen, sollten mehr Fachfirmen die Möglichkeit haben, direkt Angebote abzugeben.

Laut SŽ wird das Modell weiterhin eine einheitliche Projektstruktur beibehalten, mit einer einzigen Auslegungsgrundlage, einem Standort, einem Stilllegungsplan und einer zentralen Koordination. Wirtschaftlich gesehen dürfte sich der Markt jedoch weiter öffnen.

Die Qualifikationsregeln werden gelockert

SŽ senkt zudem die Zugangsbarrieren bei der Qualifizierung. Bei großen Bauaufträgen werden die Referenzzeiträume verlängert, die geforderten Referenzwerte gesenkt und die Erfahrungsanforderungen gelockert.

Zu den wichtigsten Änderungen gehören:

  • ein längerer Zeitraum für zulässige Referenzen
  • geringerer Gesamtwert der Referenzen
  • geringere Anforderungen an Bauleiter
  • geringere Anforderungen an die Berufserfahrung bei Referenzprojekten
  • weniger Fachstellen, für die eine formale Qualifikation erforderlich ist

Die Behörde erwägt zudem, ausgewählte Referenzen im Straßenbau anzuerkennen, wodurch kleinere Projekte zusammengefasst werden können und bestimmte Anforderungen an die Fachkompetenz gelockert werden.

Für ausländische und neue Marktteilnehmer sind auch andere Änderungen von Bedeutung: Tschechischkenntnisse sind in der Qualifikationsphase nicht mehr erforderlich, ausländische Dokumente für Fachkräfte lassen sich leichter verwenden, und die Obergrenzen für die Bietungsgarantie wurden gesenkt.

Insgesamt ist die Richtung klar: breiterer Zugang, ohne die Sicherheitsstandards formal zu senken.

ISKD wird zu einem wichtigen Zugangspunkt

Bei Aufträgen unterhalb der Schwellenwerte gewinnt das ISKD-Lieferantenqualifizierungssystem zunehmend an Bedeutung.

SŽ stellt dies als eine dauerhafte Vorqualifizierungsplattform für Aufträge mit geringerem Auftragswert dar, nicht als einen exklusiven Kreis. Die Registrierung ist drei Jahre lang gültig, Anbieter müssen ihre Qualifikation nicht bei jeder Ausschreibung erneut nachweisen, und registrierte Unternehmen werden automatisch zu entsprechenden Verfahren eingeladen.

Das macht ISKD besonders wichtig für Unternehmen, die sich auf wiederkehrende regionale Aufträge, kleinere Verlängerungen, Wartungsarbeiten oder mittelgroße Spezialaufträge konzentrieren.

Für viele Lieferanten lautet die praktische Schlussfolgerung ganz einfach: Wenn Sie für SŽ arbeiten möchten, sollten Sie sich frühzeitig registrieren, anstatt auf eine bestimmte Stelle zu warten.

E-ZAK ist nach wie vor der wichtigste Beschaffungskanal

Alle Ausschreibungsverfahren laufen weiterhin über die elektronische Plattform E-ZAK ab, die nach wie vor die wichtigste Anlaufstelle für Lieferanten ist, um Ausschreibungsbekanntmachungen, Unterlagen, Klarstellungen, Einladungen und Vergabebeschlüsse einzusehen.

Für Bauunternehmer bedeutet das zweierlei:

  • E-ZAK genau beobachten
  • Halten Sie Unternehmensdaten, Kontaktdaten und Ausschreibungsunterlagen bereit

In einem Markt, der immer stärker segmentiert und dynamischer wird, kann das Verpassen einer Ausschreibungsfrist schlichtweg bedeuten, den Auftrag zu verlieren.

Was dies für Lieferanten bedeutet

Für die Leser von RAILMARKET bedeutet die neue Konstellation nicht nur eine Änderung der Regeln, sondern auch eine neue Strategie im Umgang mit der SŽ.

Unternehmen sollten zunächst herausfinden, wo sie am besten eingesetzt werden können: Infrastruktur, Antrieb, Signaltechnik, Telekommunikation, Werkstoffe, Konstruktion, zertifizierungsrelevante Produkte, Instandhaltung oder Konsortien für größere Projekte.

Sie sollten zudem jetzt ihre Referenzen überprüfen, insbesondere wenn die neuen Vorschriften ihnen ermöglichen könnten, die Anforderungen unter gelockerten Bedingungen zu erfüllen. Unternehmen, die Produkte oder Systeme liefern, sollten sich auf aktualisierte Zertifizierungsverfahren einstellen, während größere Bauunternehmen zudem mit einer zunehmenden Bedeutung von BIM, gemeinsamen Datenumgebungen und einer stärkeren digitalen Projektkoordination rechnen müssen.

Das Fazit

„Správa železnic“ passt nicht nur die Ausschreibungsunterlagen an. Das Unternehmen gestaltet das Beschaffungsmodell neu, um mehr Anbieter anzuziehen, den Wettbewerb zu verstärken und Fachunternehmen eine größere Rolle einzuräumen.

Für den Markt ergeben sich daraus Chancen – allerdings nur für Unternehmen, die sich im Voraus darauf vorbereiten. Am ehesten profitieren werden jene Unternehmen, die die neue Struktur frühzeitig erkennen, die richtigen Systeme einführen und sich positionieren, bevor die nächste Ausschreibungsrunde beginnt.


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