EVG warnt vor dem Markteintritt von Italo in Deutschland

EVG warnt vor dem Markteintritt von Italo in Deutschland
Frankfurt Hbf © DB / Dominic Dupont
EVG hat davor gewarnt, dass der geplante Einstieg von Italo in den deutschen Fernverkehrsmarkt die ICE- und IC-Verbindungen in mehreren Städten außerhalb der Hauptkorridore schwächen könnte.

Der geplante Einstieg des italienischen Hochgeschwindigkeitsbetreibers Italo in den deutschen Fernverkehrsmarkt weckt Bedenken hinsichtlich der Zukunft einiger ICE- und IC-Haltestellen außerhalb der wichtigsten Verkehrsachsen Deutschlands.

Wie „Der Spiegel“ berichtet, warnt die Eisenbahngewerkschaft EVG davor, dass in mindestens 16 Städten mit einer Einschränkung oder Einstellung des Fernverkehrs zu rechnen sei, falls rentable Zugtrassen auf wichtigen Strecken von neuen Wettbewerbern übernommen würden.

Es besteht die Befürchtung, dass die Deutsche Bahn auf ihren attraktivsten Fernverkehrsstrecken Einnahmen einbüßen könnte, was ihre Möglichkeiten zur Querfinanzierung von Verbindungen zu kleineren oder weniger rentablen Zielen einschränken würde. Die DB dominiert derzeit den deutschen Fernverkehr, wobei ICE- und IC-Verbindungen etwa 95 % des Marktes ausmachen.

Laut der in deutschen Medien zitierten EVG-Analyse gehören zu den potenziell betroffenen Städten Aachen, Augsburg, Bamberg, Chemnitz, Cottbus, Freiburg, Ingolstadt, Jena, Magdeburg, Münster, Norddeich-Mole, Osnabrück, Rostock, Saarbrücken, Schwerin und Singen. In Trier könnte eine geplante IC-Verbindung Berichten zufolge noch vor der Inbetriebnahme gestrichen werden.

Italo will ab 2028 den Fernverkehr in Deutschland aufnehmen. Das Unternehmen hat dabei wichtige Strecken wie München – Frankfurt – Köln – Dortmund und München – Berlin – Hamburg im Visier. Die Trassen werden von DB InfraGO unter Aufsicht der Bundesnetzagentur vergeben.

Italo hat zwar keine konkrete öffentliche Stellungnahme zu der jüngsten Warnung von EVG abgegeben, doch das Unternehmen hat bereits zuvor argumentiert, dass sein Markteintritt in Deutschland von einem planbaren Zugang zur Infrastruktur abhänge. CEO Gianbattista La Rocca erklärte, das Projekt erfordere klare Regeln und langfristige Planungssicherheit, und warnte, dass Deutschland ohne eine rechtzeitige Entscheidung die Chance verpassen könnte, mehr Wettbewerb im Fernverkehr zu schaffen.

Die EVG fordert sogenannte Paketlösungen bei der Zuweisung von Zugtrassen. Bei einem solchen Modell müsste ein neuer Marktteilnehmer, der Zugang zu rentablen Hauptstrecken anstrebt, auch Verbindungen in kleinere Städte und Regionen anbieten.

EVG-Vorsitzender Martin Burkert warnte davor, dass ein selektiver Wettbewerb auf den rentabelsten Strecken dem gesamten Streckennetz schaden könnte. „Wenn Italo hier die Rosinen herauspicken und die DB von den Hauptstrecken verdrängen darf, wird das unseren Fernverkehr zunichte machen“, sagte er laut deutschen Medienberichten.

Die Deutsche Bahn hat zudem argumentiert, dass Wettbewerb nicht zu einem Verlust von Verbindungen im Gesamtnetz führen dürfe. Die DB betont, dass sie nicht gegen Wettbewerb sei, warnt jedoch davor, wichtige Knotenpunkte zu überlasten und das Angebot auf weniger rentablen Strecken zu schwächen. DB-Vorstandsvorsitzende Evelyn Palla hat bessere politische Rahmenbedingungen gefordert, um einen unkontrollierten Wettbewerb mit negativen Auswirkungen für die Fahrgäste zu vermeiden.


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