DB Cargo, die Güterverkehrssparte der Deutschen Bahn, setzt ihr umfangreiches Restrukturierungsprogramm fort, um die jahrelangen finanziellen Verluste umzukehren. Dies berichtet RedaktionsNetzverkehr Deutschland in einem aktuellen Interview mit Sigrid Nikutta, die das Unternehmen leitet.
DB Cargo, das im Jahr 2024 einen operativen Verlust von über 350 Millionen Euro verzeichnete, steht unter dem Druck, bis Ende 2026 finanziell selbsttragend zu werden. Die Änderung des Status folgt auf die Beendigung der Gewinn- und Verlustabführungsverträge zwischen der DB AG und DB Cargo im Einklang mit dem EU-Wettbewerbsrecht. Durch diese Anpassungen entfällt die Möglichkeit eines staatlichen Verlustausgleichs ab dem Jahr 2026.
Nach Angaben von Nikutta muss die Frachttochter nun unabhängig agieren und auf die Marktkräfte reagieren. Das Umstrukturierungsprogramm umfasst einen Personalabbau, die Dezentralisierung von Betriebseinheiten und gezielte Produktivitätssteigerungen. Bis 2028 sollen rund 5.000 Stellen abgebaut werden, wobei mehr als 1.500 Mitarbeiter bis Anfang 2025 bereits versetzt wurden, in den Vorruhestand gingen oder freiwillig ausschieden. In einer bestimmten Geschäftseinheit, in der es keine internen Stellenvermittlungssysteme gibt, wurden bereits Entlassungen vorgenommen.
Verlagerung zu dezentralen Geschäftseinheiten und neuen Arbeitsmodellen
Seit Januar 2025 wird DB Cargo von sieben kleineren, mittelgroßen Einheiten betrieben, die eine individuelle Leistungsverantwortung tragen. Mit diesem Schritt hin zu einer dezentralen Steuerung sollen die Kostenstrukturen stärker an die Leistungserbringung angepasst werden. Parallel zu den organisatorischen Veränderungen wurden auch Anpassungen des Arbeitsmodells für Lokführer eingeführt.
Ein Teil der Triebfahrzeugführer arbeitet jetzt auf längeren Strecken über mehrere Tage hinweg und erhält im Gegenzug für längere Touren Prämien. Diese Fahrer haben nach internen Angaben zu einer Produktivitätssteigerung von 20 % beigetragen. Für andere hat sich die Flexibilität bei der Planung erhöht, einschließlich Schichtbeginn und -ende außerhalb der DB Cargo-Einrichtungen und innerhalb größerer geografischer Parameter.
Digitale und technische Initiativen sind im Gange, aber die Fortschritte sind uneinheitlich
Zu den Bemühungen, den Betrieb zu modernisieren, gehört der Einsatz automatisierter Systeme und künstlicher Intelligenz. DB Cargo hat 16 Überkopfkamerabrücken installiert, um vorbeifahrende Züge auf äußere Schäden zu untersuchen. Diese Scans werden mithilfe von KI verarbeitet, um Mikrodefekte wie Planenschäden zu erkennen, die zu Korrosionsproblemen führen könnten. Die Technologie hat Berichten zufolge bei Kunden aus der Stahlindustrie, die hohe Qualitätsanforderungen stellen, Anklang gefunden.
Die Einführung digitaler automatischer Kupplungen kommt dagegen nur langsam voran. Die Umsetzung erfordert ein koordiniertes europäisches Vorgehen, und obwohl die Technologie inzwischen im politischen Rahmen der EU anerkannt ist, stehen groß angelegte Tests und die Einführung noch aus. Geplant ist der Einsatz von 100 Zügen in 18 Ländern als Teil der Erprobungsphase des Konzepts.
Einzelwagenverkehr und Trassenpreise werfen Fragen auf
DB Cargo bezeichnet den Einzelwagenverkehr nach wie vor als finanziell unrentables Segment. Das Unternehmen führt etwa 80 % seiner Verluste auf diesen Bereich zurück, der trotz eines Marktanteils von 90 % im Inland nur 60 % der verfügbaren Subventionsmittel erhält. Die derzeitigen Unterstützungsmechanismen, einschließlich Subventionen für kurze Ganzzüge und Werkslogistik, werden als nicht ausreichend zielgerichtet angesehen. Es wurden auch Bedenken hinsichtlich der nicht genutzten Subventionen für Wettbewerber geäußert, die nicht umverteilt werden.
Gleichzeitig haben die Infrastrukturgebühren den Druck erhöht. Die Trassenpreise in Deutschland wurden im Januar 2025 um 16 % erhöht. Die höheren Kosten kommen, da DB Cargo und andere im Güterverkehrssektor eine Preisstruktur fordern, die die Ziele der Verkehrsverlagerung unterstützt.
Militärlogistik taucht in der Frachtplanung wieder auf
Angesichts der geopolitischen Ungewissheit, die eine erneute Fokussierung auf die Landesverteidigung zur Folge hat, ist auch die Rolle von DB Cargo in der Militärlogistik in die strategischen Planungsdiskussionen zurückgekehrt. Von dem Unternehmen wird erwartet, dass es zur Stärkung der Transport- und Schieneninfrastruktur zur Unterstützung der Verteidigungsbereitschaft beiträgt. Die Führung weist darauf hin, dass Investitionen in die Kapazität und die Widerstandsfähigkeit des Netzes notwendig sein werden, um diese Anforderungen zu erfüllen.
DB Cargo Ausblick für 2025
DB Cargo strebt für das Jahr 2025 einen geringeren Betriebsverlust an, der sich im unteren dreistelligen Millionenbereich bewegen könnte. Es wird jedoch erwartet, dass zahlreiche Variablen - einschließlich des wirtschaftlichen Umfelds, der Subventionsstrukturen und der Infrastrukturkosten - das endgültige Ergebnis beeinflussen werden. Das Management bleibt dabei, dass die Geschwindigkeit der Umsetzung von zentraler Bedeutung sein wird, um das Ziel der finanziellen Unabhängigkeit bis 2026 zu erreichen.