Tschechischer Minister drängt auf EU-Maßnahmen für den Schienengüterverkehr

Tschechischer Minister drängt auf EU-Maßnahmen für den Schienengüterverkehr
© ŽSR
Der tschechische Verkehrsminister Ivan Bednárik hat eine europäische Debatte über die Zukunft des Schienengüterverkehrs gefordert und argumentiert, dass die derzeitige EU-Politik dessen Niedergang beschleunigt. In einem Interview mit der tschechischen Nachrichtenagentur verweist er auf die hohen Strompreise und den verzerrten Wettbewerb mit dem Straßenverkehr als Hauptprobleme.

Ivan Bednárik, der vor kurzem sein Amt als tschechischer Verkehrsminister angetreten hat, will auf EU-Ebene eine breitere Debatte über die Zukunft des Schienengüterverkehrs anstoßen und warnt davor, dass der Sektor europaweit an Wettbewerbsfähigkeit verliert. In einem Interview mit der tschechischen Nachrichtenagentur argumentiert Bednárik, dass der derzeitige Abschwung im Schienengüterverkehr nicht konjunkturell, sondern strukturell bedingt ist - und größtenteils das Ergebnis einer fehlgeleiteten europäischen Politik.

Laut Bednárik ist der Preis für Traktionsstrom zum kritischsten Einzelproblem für Schienengüterverkehrsunternehmen geworden. Er weist darauf hin, dass die Strompreise in den letzten Jahren im Zuge der allgemeinen Energiemarktkrise stark gestiegen sind, was die Betriebskosten für die Eisenbahnen direkt erhöht. Infolgedessen wird der Schienengüterverkehr teurer als der Straßenverkehr, obwohl der Lkw-Transport sowohl in ökologischer als auch in physischer Hinsicht weniger effizient ist.

"Aus physikalischer und ökologischer Sicht ist der Straßenverkehr eindeutig unterlegen", so Bednárik. "Aber preislich ist er oft billiger als die Schiene".

Verzerrter Wettbewerb mit dem Straßenverkehr

Bednárik hebt auch die ungleiche Durchsetzung von Vorschriften als weiteren Faktor hervor, der die Wettbewerbsfähigkeit der Bahn untergräbt. Während die Schienengüterverkehrsunternehmen die maximalen Achslasten und Zuggewichte strikt einhalten müssen, sind auf den europäischen Straßen, insbesondere in Mittel- und Osteuropa, weiterhin überladene Lkw unterwegs.

Dies führt zu dem, was Bednárik als strukturelles Ungleichgewicht bezeichnet: Die Eisenbahnunternehmen haben mit höheren Energiekosten und strengeren Vorschriften zu kämpfen, während der Straßenverkehr von niedrigeren effektiven Kosten und einer schwächeren Durchsetzung profitiert.

Unterschiedliche Realitäten in Europa

Der tschechische Minister weist darauf hin, dass die Einstellung zur Nachhaltigkeit im Verkehr in Europa sehr unterschiedlich ist. In den Alpenländern sind Umweltaspekte stärker in die Entscheidungsfindung der Unternehmen eingebettet, was dazu beiträgt, dass die Bahn eine stärkere Marktposition behält. In Mitteleuropa hingegen werden Verkehrsentscheidungen nach wie vor stark vom Preis bestimmt.

Nach Ansicht von Bednárik hat die EU-Verkehrspolitik diese Unterschiede nicht berücksichtigt. "Die Europäische Union geht davon aus, dass die Unternehmen überall gleich denken - aber das ist einfach nicht der Fall", sagte er. Infolgedessen werden Fragen wie die Preise für Bahnstrom in den Mitgliedstaaten nicht einheitlich behandelt.

Rentabilität des Schienengüterverkehrs unter Druck

Bednárik stellt fest, dass es heute in Europa fast kein großes Schienengüterverkehrsunternehmen mehr gibt, das rentabel arbeitet, mit Ausnahme von Unternehmen, die sich auf den Containerverkehr mit Seehäfen konzentrieren. Ein Großteil der europäischen Konsumgüter wird außerhalb der EU produziert, doch der Kohlenstoff-Fußabdruck des Transports dieser Güter nach Europa wird bei politischen Entscheidungen nur selten berücksichtigt.

Er argumentiert, dass der Schienengüterverkehr ohne gezielte Unterstützung weiterhin Marktanteile verlieren wird - trotz der EU-Klimaziele.

Aufruf zu einer EU-weiten Reaktion

Bednárik plant, das Thema direkt bei seinen Amtskollegen in ganz Europa anzusprechen. "Ich brauche weitere 25 Verkehrsminister, um dieses Thema anzusprechen und in Angriff zu nehmen", sagte er und verwies auf die Notwendigkeit eines koordinierten Vorgehens auf EU-Ebene.

Er erinnert daran, dass im Verkehrsweißbuch der EU das Ziel festgelegt wurde, bis 2030 30 % des Güterverkehrs über 300 km von der Straße auf die Schiene oder den Wasserweg zu verlagern, und bis 2050 mehr als 50 %. Laut Bednárik geht die Realität in die entgegengesetzte Richtung: In vielen Ländern ist das Frachtaufkommen auf der Schiene rückläufig.

Der Energievorteil der Schiene

Vom technischen Standpunkt aus betrachtet, betont Bednárik, dass die Schiene in Bezug auf Physik und Energieverbrauch grundsätzlich effizienter ist. Der Großteil des Schienengüterverkehrs in Europa wird elektrisch betrieben, während der Straßenverkehr weiterhin auf fossile Brennstoffe angewiesen ist. Auf elektrifizierten Strecken benötigt die Bahn keine Batterien oder zusätzliche CO₂-intensive Technologien.

In der Tschechischen Republik sind rund 80 % des Schienenverkehrs elektrifiziert, eine Zahl, die Bednárik als Beweis dafür anführt, dass die Schiene bereits jetzt eine emissionsarme Lösung bietet - vorausgesetzt, die Energiepreisgestaltung und die politischen Rahmenbedingungen beeinträchtigen dies nicht.

Hintergrund: ein Minister aus dem Eisenbahnsektor

Im Gegensatz zu vielen anderen Verkehrsministern bringt Ivan Bednárik direkte betriebliche Erfahrungen aus der Eisenbahnindustrie mit. Bevor er in die Regierung eintrat, hatte er leitende Funktionen bei ČD Cargo, České dráhy (ČD) und zuletzt bei Železnice Slovenskej republiky (ŽSR), dem slowakischen Eisenbahninfrastrukturbetreiber, inne. Seine berufliche Laufbahn umfasst den Güterverkehr, den Schienenpersonenverkehr und das Infrastrukturmanagement, was ihm eine seltene sektorübergreifende Perspektive bietet.

Sein Aufruf zum Handeln spiegelt die seit langem von den Schienengüterverkehrsbetreibern geäußerten Bedenken wider, die nun von der Regierung artikuliert werden. Ob Bednárik dies in eine koordinierte EU-Politik umsetzen kann, bleibt eine offene Frage - aber die von ihm geforderte Debatte steht nun fest auf der Tagesordnung.


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