Die UIRR hat die EU-Institutionen aufgefordert, die Modernisierung der Richtlinie über den kombinierten Verkehr voranzutreiben, und den kombinierten Verkehr als praktische Antwort auf die energiepolitischen Herausforderungen Europas und die anhaltende Abhängigkeit von importiertem Öl dargestellt.
In einer neuen Stellungnahme argumentiert der Verband, dass der kombinierte Tür-zu-Tür-Verkehr eine erhebliche Verbesserung der Energieeffizienz bewirken kann, indem Fernverkehrsströme von der Straße auf die elektrifizierte Schiene verlagert werden. Nach Angaben der UIRR verbraucht dieses Modell pro Tonnenkilometer rund 70 % weniger Energie als der reine Straßentransport, ist dabei aber weiterhin mit den Güterarten kompatibel, die derzeit per Lkw befördert werden.
Die Organisation fordert nun sowohl das Europäische Parlament als auch den Rat auf, die Gesetzgebungsarbeiten an der überarbeiteten Richtlinie nach der Abstimmung im Parlament Anfang dieses Jahres fortzusetzen. Die UIRR fordert zudem einen Rahmen für Gewichte und Abmessungen, der die Interoperabilität zwischen dem Straßengüterverkehr und anderen Verkehrsträgern gewährleistet.
Ein zentraler Aspekt der Argumentation ist die Größenordnung. Laut UIRR umfasst das gesamte europäische Shuttle-Netz für den kombinierten Verkehr bereits rund 1.000 tägliche Abfahrten, die etwa 1.300 Terminals auf dem gesamten Kontinent miteinander verbinden. Nach Ansicht der Organisation könnten elektrische intermodale Schienenverkehrsdienste rasch ausgebaut werden, wenn ihnen eine Vorrangstellung eingeräumt würde, die mit der des energiebezogenen Verkehrs während der Energiekrise 2022 vergleichbar ist.
Der Verband schätzt, dass eine solche Kapazitätssteigerung den Verkehr um bis zu 50.000 dieselbetriebene Lkw entlasten könnte, wodurch der Dieselverbrauch um fast 3 Milliarden Liter pro Jahr gesenkt und der Bedarf an Rohölimporten um rund 10 Millionen Tonnen jährlich verringert würde. Er argumentiert, dass eine schrittweise Ausweitung der Kapazitäten im kombinierten Verkehr bis 2030 und erneut bis 2040 die Wettbewerbsfähigkeit und Widerstandsfähigkeit Europas weiter verbessern würde.
UIRR-Generaldirektor Ralf-Charley Schultze erklärte, der kombinierte Verkehr könne eine wesentlich größere Rolle bei der Verwirklichung der europäischen Ziele in den Bereichen Energieeffizienz und Importsubstitution spielen, betonte jedoch, dass die notwendigen rechtlichen Rahmenbedingungen nun von den EU-Gesetzgebern abhingen.
Für den europäischen Güterverkehrssektor verleiht diese Erklärung der seit langem geführten Debatte über die Verkehrsverlagerung eine stärkere Komponente der Energiesicherheit. Anstatt den kombinierten Verkehr lediglich als Klimaschutzinstrument zu betrachten, positioniert die UIRR ihn als strategisches Logistikinstrument für eine widerstandsfähigere und weniger vom Erdöl abhängige europäische Wirtschaft.