Der europäische kombinierte Verkehr verzeichnete einen unerwartet schwachen Start ins Jahr 2026, da Infrastrukturprobleme im Schienennetz weiterhin die Leistung im intermodalen Güterverkehr beeinträchtigten.
Laut dem vierteljährlichen Leistungsindikator für den kombinierten Verkehr der UIRR ging die Zahl der im europäischen kombinierten Verkehr beförderten Sendungen im ersten Quartal 2026 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 4,9 % zurück. Der Verband bezeichnete diesen Rückgang als unerwartet und erheblich.
Laut UIRR setzten sich die im Jahr 2025 vor allem in Deutschland verzeichneten Transportvolumenrückgänge auch in den ersten Monaten des Jahres 2026 fort. Ein entscheidender Faktor war das, was der Verband als „Infrastrukturchaos“ bezeichnete: Intermodale Güterzüge erhielten keine ausreichenden Ausweichmöglichkeiten um vollständig gesperrte Bahnstrecken in Deutschland und anderen europäischen Ländern.
Der Verband wies zudem auf die hohen Kosten der Umleitungsstrecken hin, die teilweise mehrere hundert Kilometer länger und für Güterzüge technisch weniger geeignet waren. Nach Angaben der UIRR wurden diese zusätzlichen Betriebskosten nicht ausgeglichen.
Die schwache europäische Wirtschaft verstärkte den Druck zusätzlich. Durch die geringere Nachfrage wurden Kapazitäten im Straßengüterverkehr frei, was den Verladern eine Rückverlagerung auf den Lkw-Verkehr erleichterte.
Gleichzeitig wies die UIRR darauf hin, dass der kombinierte Verkehr der Energiekrise weniger ausgesetzt ist als der dieselabhängige Straßengüterverkehr, da er größtenteils mit Strom betrieben wird. Staatliche Fördermaßnahmen zugunsten des Lkw-Verkehrs sowie anhaltende Engpässe in der Schieneninfrastruktur schränkten jedoch die Möglichkeiten des kombinierten Verkehrs ein, mehr Fernverkehrsgüter von der Straße abzuwerben.
Im ersten Quartal fanden zudem mehrere für die Branche relevante politische und marktbezogene Ereignisse statt. Die UIRR hob eine von LTG in Vilnius organisierte Veranstaltung zum Thema militärische Mobilität hervor, bei der die Rolle des intermodalen Schienengüterverkehrs in der Militärlogistik erörtert wurde. Sie verwies zudem auf die Amazon Expo in Brüssel, die als Zeichen für das Engagement des Online-Marktplatzes für den kombinierten Verkehr präsentiert wurde, sowie auf eine Veranstaltung des Europäischen Parlaments zum kombinierten Verkehr für Inselstaaten.
Die Stimmung in der europäischen Kombiverkehrsbranche ist für die nächsten zwölf Monate leicht ins Negative gekippt. Laut UIRR sind die Hauptsorgen der sich verschlechternde Zustand der Schieneninfrastruktur, das schwache Wirtschaftswachstum und Schwierigkeiten in der maritimen Lieferkette.
Der Bericht zeigt zudem, dass die Branche trotz des Abschwungs weiterhin aktiv ist. In Spanien wurden 399 neue intermodale Wagen in Betrieb genommen, darunter 80-Fuß- und 90-Fuß-Wagen für Container sowie T4000-Wagen für Sattelauflieger. Die UIRR stellte zudem ein wachsendes Interesse am Transport von Sattelaufliegern auf der Schiene zwischen der Ukraine und Europa fest, das durch Fahrermangel und kriegsbedingte Unsicherheiten getrieben wird.
In politischer Hinsicht begrüßte die UIRR die Änderungen an der TEN-V-Verordnung und erklärte, dass Hauptstrecken und Terminals auf die technischen Parameter gebracht werden sollten, die für alle Formen des intermodalen Schienengüterverkehrs erforderlich sind. Der Verband wies zudem darauf hin, dass die Überarbeitung der Richtlinie über den kombinierten Verkehr weiterhin politisch relevant sei, nachdem das Europäische Parlament die Rücknahme des Vorschlags abgelehnt habe.
Außerhalb Europas beschrieb der Bericht den intermodalen Güterverkehr in Nordamerika im ersten Quartal 2026 als nahezu unverändert. Das gesamte nordamerikanische Schienengüterverkehrsvolumen erreichte 8,24 Millionen Einheiten, was einem Anstieg von 1,8 % gegenüber dem Vorjahr entspricht, während der intermodale Verkehr aufgrund von Lagerbestandsanpassungen im Inland um 0,1 % zurückging.
Der Bericht enthielt zudem mehrere personelle Veränderungen in der Branche. André Böttcher wurde zum Leiter Vertrieb/Marketing und Einkauf bei DUSS ernannt. Michail Stahlhut, ehemaliger CEO von Hupac und Vorstandsmitglied der UIRR, wurde CEO der Rail Innovators Group. Dirk Steffes wurde zum Geschäftsführer der Kombiverkehr KG ernannt und teilt sich die Leitung mit Heiko Krebs.