Siemens Mobility, im Konsortium mitLeonhard Weiss, hat von der Deutschen Bahn (DB) einen umfangreichen Rahmenvertrag für den Einsatz digitaler Leit- und Sicherungstechnik in ganz Deutschland erhalten. Darüber hinaus wurde Siemens Mobility von HS2 ausgewählt, Signalisierungs-, Stromversorgungs- und Telekommunikationssysteme für das britische Hochgeschwindigkeitsnetz zu liefern.
Der digitale Ausbau der Deutschen Bahn
Siemens Mobility hat gemeinsam mit dem Bauunternehmen Leonhard Weiss einen Anteil am ersten Großauftrag der Deutschen Bahn (DB) für moderne Leit- und Sicherungstechnik erhalten. Der Auftrag im Wert von rund 2,8 Mrd. Euro für das Konsortium ist Teil eines Rahmenvertrags im Wert von 6,3 Mrd. Euro, der die Einführung der digitalen Signaltechnik, einschließlich des Europäischen Zugsicherungssystems (ETCS) und moderner digitaler Stellwerke (DSTW), beschleunigen soll.
Mit diesem langfristigen Rahmenvertrag wird ein neues Beschaffungsmodell im deutschen Eisenbahnsektor eingeführt. Statt mehrerer Einzelverträge hat die DB einen einzigen Großvertrag mit definierten Liefer- und Abnahmeverpflichtungen strukturiert. Siemens Mobility und Leonhard Weiss werden standardisierte Plattformlösungen mit optimierten Schnittstellen bereitstellen, wodurch sich die Projektlaufzeiten von den üblichen acht Jahren auf wenige Jahre verkürzen.
"Das neue Vergabe- und Vertragsmodell markiert einen Paradigmenwechsel für die Bahnindustrie", sagte Michael Peter, CEO von Siemens Mobility. "Es ermöglicht der Branche, die notwendigen Ressourcen für die Modernisierung des deutschen Schienennetzes zu erschließen. Und dank der optimierten Schnittstellen wird der Vertrag auch den Umsetzungsprozess deutlich effizienter machen."
Die ersten Abrufe unter dieser Rahmenvereinbarung werden für Anfang 2025 erwartet, wobei weitere Industriepartner Anteile an dem Gesamtvertrag halten werden. Die Initiative unterstützt die allgemeinen Bemühungen Deutschlands, sein Eisenbahnnetz zu modernisieren und die betriebliche Effizienz durch Digitalisierung zu verbessern.
HS2-Verträge für Signaltechnik, Stromversorgung und Telekommunikation
Siemens Mobility hat außerdem vier Aufträge für das britische Hochgeschwindigkeitsprojekt HS2 mit einem Gesamtwert von rund 670 Millionen Euro erhalten. Diese Aufträge betreffen die Signaltechnik, die Hochspannungsstromversorgung, die betriebliche Telekommunikation und ein technisches Managementsystem.
Für die Signalisierung wird Siemens Mobility ETCS Level 2 mit streckenseitiger automatischer Zugsteuerung (ATO) am Automatisierungsgrad 2 (GoA2) implementieren - eine Premiere für Hochgeschwindigkeitszüge in Großbritannien. Das System wird herkömmliche Signale durch digitale Kommunikation direkt in die Zugkabinen ersetzen und so die Effizienz und Sicherheit verbessern. Siemens Mobility wird mindestens 15 Jahre lang technische Unterstützung leisten.
Ein auf Supervisory Control and Data Acquisition (SCADA) basierendes Engineering Management System wird eingesetzt, um die Echtzeitüberwachung und -steuerung von Bahnanlagen zu integrieren und die Wartungsplanung und den Betrieb zu optimieren. Siemens Mobility hat ähnliche Systeme bereits für die Elizabeth Line und andere große Bahnprojekte geliefert.
In Zusammenarbeit mit Costain wird Siemens Mobility Hochspannungs-Stromversorgungssysteme, einschließlich Traktions- und Nicht-Traktions-Umspannwerken, planen und installieren. Diese werden den Strom aus dem nationalen Stromnetz an die Züge und die Infrastruktur von HS2 verteilen. Die Wartungsdienste für diese Stromversorgungssysteme werden mindestens sieben Jahre lang fortgesetzt.
Für die Telekommunikation wird Siemens Mobility ein betriebliches Telekommunikations- und Sicherheitssystem installieren und warten. Dieses System nutzt das Global System for Mobile Communications-Railway (GSM-R) und ermöglicht eine sichere digitale Kommunikation zwischen Triebfahrzeugführern und Leitstellen, wobei es für das künftige Future Railway Mobile Communication System (FRMCS) kompatibel ist. Die Wartungsunterstützung wird für mindestens acht Jahre gewährt.
HS2 soll die Bahnverbindungen zwischen London und den West Midlands verbessern und möglicherweise bis in den Nordwesten erweitert werden. Die 225 Kilometer lange Hochgeschwindigkeitsstrecke wird in das bestehende Schienennetz integriert und schafft neue Reisemöglichkeiten für Fahrgäste und Güterverkehrsunternehmen.