Ein neuer 120 km langer Hochgeschwindigkeitsabschnitt im Norden der Türkei ist Teil eines größeren, 293 km langen Korridors, der die Hauptstadt Ankara mit dem Schwarzmeerhafen Samsun verbindet.
Neuer Korridor soll Zentralanatolien und das Schwarze Meer verbinden
Die Hochgeschwindigkeitsstrecke Ankara-Kırıkkale-Çorum-Samsun soll eine direkte Nord-Süd-Achse sowohl für den Personen- als auch für den Güterverkehr schaffen. Nach seiner Fertigstellung wird der gesamte Korridor die Reisezeit zwischen Ankara und Samsun auf 2,5 Stunden verkürzen. Prognosen gehen von bis zu 12 Millionen Passagieren pro Jahr und einer jährlichen Frachtkapazität von 14 Millionen Tonnen aus.
Die neue Strecke erweitert einen bestehenden 121,7 km langen Hochgeschwindigkeitsabschnitt, der bereits zwischen Ankara und Delice in Betrieb ist und ursprünglich Teil der umfassenderen Hochgeschwindigkeitsstrecke Ankara-Sivas war. Die Verlängerung Delice-Çorum-Merzifon-Samsun ist für eine Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h ausgelegt.
Zeitplan und Gestaltungselemente der Infrastruktur
Der Bau des Abschnitts Delice-Çorum soll bis Ende 2029 abgeschlossen sein. Sobald die Strecke in Betrieb ist, wird sich die Fahrzeit zwischen Çorum und Ankara auf 1 Stunde und 15 Minuten verkürzen. Die Strecke ist mit fünf Bahnhöfen geplant und umfasst 8 gebohrte Tunnel, 3 Tunnel in offener Bauweise, 26 Brücken und Viadukte, 16 Überführungen, 84 Unterführungen und 208 Durchlässe.
Über den Schienenverkehr hinaus soll der Korridor die regionalen Logistikmuster verändern, indem er die Produktionsgebiete im Landesinneren mit Samsun am Schwarzen Meer und - durch die geplanten südlichen Erweiterungen - mit dem Hafen von Mersin am Mittelmeer verbindet.
Erweiterte Vision für das Hochgeschwindigkeitsnetz der Türkei
Die Strecke Delice-Samsun ist Teil des nationalen Eisenbahnausbauprogramms der Türkei, das bis zum Jahr 2028 den Ausbau von 17 500 Kilometern und bis zum Jahr 2053 von 28 500 Kilometern vorsieht. Seit 2002 hat das Land rund 64 Mrd. USD (59,8 Mrd. EUR) in die Eisenbahninfrastruktur investiert und über 3.000 Kilometer neue Gleise gebaut, darunter 2.251 Kilometer Hochgeschwindigkeits- und Intercity-Strecken.
Der Korridor soll auch die Überlastung der Schifffahrtswege an der Küste verringern, indem er eine parallele Binnenroute für Containerfracht bietet. Das Projekt ist mit anderen laufenden Bauvorhaben verknüpft, darunter Hochgeschwindigkeitskorridore nach İzmir, Bursa, Gaziantep und zur bulgarischen Grenze bei Kapıkule.
Künftige Verbindungen zum östlichen Schwarzen Meer
Parallel dazu laufen Planungen für eine 509 km lange Eisenbahnverlängerung entlang der östlichen Schwarzmeerküste, die Samsun über Städte wie Ordu, Giresun, Trabzon und Rize mit Sarp nahe der georgischen Grenze verbinden würde. Diese Strecken würden in das gleiche Hochgeschwindigkeitsnetz mit Zentrum in Ankara integriert.
Nach Fertigstellung aller geplanten Abschnitte bis Mersin und darüber hinaus soll die Strecke 8 Millionen Einwohner direkt versorgen. 2053 wollen die türkischen Behörden ein landesweites Netz errichten, das einen vollständigen Hochgeschwindigkeitszugang im ganzen Land innerhalb von 48 Stunden ermöglicht.