Studie: Automatisierung könnte den Schienenverkehr stärken

Studie: Automatisierung könnte den Schienenverkehr stärken
© DB Regio
Autonome Shuttles und Busse könnten laut einer neuen Studie die Leistungsfähigkeit des öffentlichen Nahverkehrs in Deutschland erheblich verbessern, wenn sie als Zubringer zum Schienenverkehr eingesetzt und in ein erweitertes Netz integriert würden. Die größten Vorteile sind dort zu erwarten, wo die Automatisierung den Schienenverkehr unterstützt, anstatt ihn zu ersetzen.

Autonome Fahrzeuge könnten die Qualität und Effizienz des öffentlichen Nahverkehrs in Deutschland erheblich verbessern, wenn sie als Teil eines schienengebundenen Systems eingesetzt werden. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie, die von DB Regio in Auftrag gegeben wurde. Die Analyse modelliert landesweite Szenarien für das Jahr 2045 und kommt zu dem Schluss, dass die Automatisierung den größten Nutzen bringt, wenn sie das Bahn- und Busnetz stärkt, anstatt als eigenständiger Dienst zu fungieren.

Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die Auswirkungen begrenzt sind, wenn die Autonomie nur zur Automatisierung bestehender Busdienste oder zum Ausbau privat betriebener Robotaxi-Flotten genutzt wird. In diesen Fällen bleiben die Verbesserungen hinsichtlich Erreichbarkeit und Fahrzeiten marginal, während der städtische Straßenverkehr erheblich zunehmen könnte. Der größte systemweite Nutzen wird hingegen erzielt, wenn autonome Shuttles in den öffentlichen Nahverkehr integriert und in erster Linie als Zubringer zu Bahn- und modernisierten Buskorridoren eingesetzt werden.

In diesem Szenario bedienen selbstfahrende Shuttlebusse Kurzstrecken und Gebiete mit geringer Bevölkerungsdichte und bringen die Fahrgäste entweder direkt zu ihren Zielen oder zu Hochleistungsbahnverbindungen. Die Bahn bleibt das Rückgrat des Netzes, wobei optimierte Buslinien und autonome Zubringerbusse ihre Reichweite auf Vororte und ländliche Gebiete ausweiten.

Mit rund einer Million autonomen Shuttles und Bussen, die landesweit im Einsatz sind, könnten die durchschnittlichen Wartezeiten in Ballungsräumen auf etwa fünf Minuten und in ländlichen Regionen auf 13 Minuten sinken. Dies würde eine Reduzierung von bis zu 50 % gegenüber dem derzeitigen Niveau außerhalb der städtischen Zentren bedeuten. Die Fahrzeiten würden sich denen von Privatfahrzeugen annähern und könnten in einigen Ballungsräumen sogar kürzer sein.

Die modellierte Veränderung der Servicequalität hätte erhebliche Auswirkungen auf den Modal Split. Der Anteil des öffentlichen Verkehrs am Gesamtverkehrsaufkommen würde sich auf rund 35 % mehr als verdoppeln, was vor allem auf eine höhere Zahl von Bahnfahrgästen zurückzuführen wäre, die durch verbesserte Anbindungen an den ersten und letzten Kilometer unterstützt würde.

Für das gesamte Verkehrssystem prognostiziert die Studie eine Verringerung der Straßenüberlastung um bis zu 11 % in Städten und Ballungsräumen. Gleichzeitig könnten die öffentlichen Subventionen für den öffentlichen Nahverkehr trotz eines insgesamt größeren Leistungsvolumens aufgrund von Effizienzsteigerungen und höheren Fahrgeldeinnahmen um rund 20 % sinken. Ehemalige Pkw-Nutzer, die auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen, könnten durchschnittlich 170 € pro Monat einsparen.

Die Studie wurde mit Beiträgen von ioki, dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT), dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und Prognos erstellt. Sie zeigt, dass autonome Technologie allein keinen strukturellen Wandel bewirkt, sondern dass ihre Integration in ein schienenbasiertes öffentliches Verkehrsmodell entscheidend ist, um messbare Auswirkungen auf Kapazität, Zugänglichkeit und Verkehrsaufkommen zu erzielen.

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