Schienenkorridore von Deutschland nach Polen und Tschechien haben noch Lücken in der Elektrifizierung

Schienenkorridore von Deutschland nach Polen und Tschechien haben noch Lücken in der Elektrifizierung
A Metrans train waiting at Děčín border station to Germany © ČD Cargo
Während der Straßengüterverkehr ohne Unterbrechung über die europäischen Grenzen fließt, wird der elektrische Schienengüterverkehr weiterhin durch Infrastruktureinschränkungen an mehreren Grenzübergängen behindert.

Die Strecken nach Polen und in die Tschechische Republik sind nach wie vor weitgehend nicht elektrifiziert, so dass im intermodalen und konventionellen Güterfernverkehr ein Lokwechsel oder eine Dieseltraktion erforderlich ist, so der deutsche Lobbyverband DIE GÜTERBAHNEN.

Der aktuelle Koalitionsvertrag auf Bundesebene enthält Bestimmungen für eine verbesserte Schienenanbindung an Polen und die Tschechische Republik. Mehrere wichtige Güterverkehrskorridore - darunter Görlitz, Forst und Küstrin-Kietz (Polen) sowie Bad Brambach, Schirnding und Furth im Wald (Tschechische Republik) - sollen in der laufenden Legislaturperiode, die bis 2029 läuft, elektrifiziert werden.

Nur ein elektrifizierter Bahnübergang zwischen Tschechien und Deutschland

Derzeit gibt es an der 850 Kilometer langen deutsch-tschechischen Grenze nur einen zweigleisigen elektrifizierten Grenzübergang: die Strecke in Bad Schandau. Ihre Betriebskapazität ist derzeit aufgrund der laufenden Bauarbeiten eingeschränkt, so dass der Verkehr oft nur eingleisig abgewickelt werden kann oder ganztägig gesperrt werden muss. Dies hat direkte Auswirkungen auf den Güterverkehr und die Streckenführung. Einige Betreiber leiten den Verkehr durch Bayern über Hof um, wodurch sich die Strecke in Richtung Österreich, Slowakei oder Ungarn um 170 km verlängert. Der Abschnitt Hof-Cheb ist nicht elektrifiziert, so dass zusätzliche Dieseltraktion oder Multimode-Lösungen erforderlich sind, um die Anbindung an das tschechische Netz aufrechtzuerhalten.

Die Elektrifizierung von Grenzübergängen ist nicht nur eine technische Frage, sondern auch ein Kapazitätsfaktor. Wenn sich Güterzüge begrenzte elektrifizierte Strecken mit dem Personenverkehr teilen müssen, nehmen Verspätungen und Überlastungen zu. Ein vollständig elektrischer Betrieb durch die Grenzgebiete würde es ermöglichen, die Züge effizienter umzuleiten und eine Überlastung bestimmter Korridore zu vermeiden.

Trains of Freightliner PL awaiting green light to pass to Horka in Germany from Poland © Freightliner PL 
Trains of Freightliner PL awaiting green light to pass to Horka in Germany from Poland © Freightliner PL 

Nur geringfügig bessere Situation an der Grenze zwischen Polen und Deutschland

Schwere Güterzüge können derzeit nur über zwei Eisenbahngrenzübergänge fahren: Horka-Węgliniec und Frankfurt (Oder) - Kunowice.

Obwohl die Strecke Tantow-Szczecin derzeit zweigleisig ausgebaut und elektrifiziert wird, ist ihre Bedeutung für den Güterverkehr im Vergleich zu den Anforderungen an höher frequentierten Kreuzungen begrenzt. Die dort laufenden Bauarbeiten haben sich bereits verzögert, so dass die Fertigstellung nun für dieses Jahr erwartet wird.

Die in der Region tätigen Eisenbahnunternehmen weisen nach wie vor auf die begrenzte Infrastruktur als einen der Faktoren hin, die die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber dem Straßengüterverkehr beeinträchtigen. Der Einsatz von Diesellokomotiven im grenzüberschreitenden Verkehr in Mitteleuropa ist trotz der politischen Verpflichtungen zur Verlagerung des Güterverkehrs auf die elektrische Schiene nach wie vor gängige Praxis. Während die Nachbarländer ihre Verbindungen modernisieren, beeinträchtigt das Vorhandensein von reinen Diesellücken auf deutscher Seite weiterhin den Betrieb auf den Korridoren, die sich nach Südosteuropa erstrecken, betont der deutsche Schienengüterverkehrsverband.


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