Der Monat August 2024 stellt den europäischen Schienengüterverkehr vor große Herausforderungen, da kritische Abschnitte der Simplon-Strecke in Italien und der Strecke Rastatt-Baden Baden in Deutschland wegen notwendiger Sanierungsarbeiten komplett gesperrt werden müssen.
Simplon-Linienverschluss
Vom 9. bis 30. August wird die Simplon-Linie zwischen Domodossola und Iselle di Trasquera in Italien wegen Umbauarbeiten vollständig stillgelegt. Diese Sperrung erweitert eine bereits bestehende Störung auf dem Abschnitt Stresa-Verbania der Strecke Mailand-Domodossola, der seit dem 9. Juni und noch bis zum 8. September gesperrt ist. Während dieser Zeit können keine Züge den Simplon-Pass benutzen. Der Umleitungsverkehr wird über die Gotthard-Achse abgewickelt, die wegen der Bauarbeiten teilweise nur einspurig befahrbar ist. Der Gotthard-Basistunnel, der immer noch nicht vollständig erholt ist, wird durch die Umleitung der Güterverkehrsunternehmen stärker belastet.
Unterbrechung der Rheintalbahn
Auch die Strecke Rastatt-Baden Baden in Deutschland wird vom 9. bis 29. August komplett gesperrt. Dieser Abschnitt ist ein wichtiger Teil der Rheintalstrecke, einem Schlüsselkorridor für den Güterverkehr. Als Reaktion auf diese Sperrung haben die Akteure der Branche
Die Deutsche Bahn (DB) nutzt diese Zeit für umfangreiche Arbeiten am Bahnprojekt Karlsruhe-Basel. Im Mittelpunkt steht die südliche Anbindung des Rastatter Tunnels an das Schienennetz. Damit verbunden sind erhebliche Anpassungen an der Schieneninfrastruktur, unter anderem an Oberleitungen, Leit- und Sicherungstechnik. Darüber hinaus erneuert die DB die Leit- und Sicherungstechnik zwischen Rastatt und Baden-Baden und tauscht Weichen in Baden-Baden aus, während der Personenverkehr durch Ersatzbusse aufrechterhalten wird.
Hupacs Umleitungsstrategie durch Frankreich
Der führende Intermodal-Operateur Hupac hat eine Umleitungsstrategie durch Frankreich entwickelt. Dazu gehört ein Diesel-Shuttle zwischen Offenburg und Wörth, der die Kapazität der Güterzüge verdoppelt und das Standardprofil P400 beibehält. Dieser Dienst, der von Diesellokomotiven und mehrsprachigem Fahrpersonal unterstützt wird, soll 80 % der Verkehrsnachfrage während der Sperrung abdecken.
BLS Cargo Anpassungen
BLS Cargo, die von den Sperrungen stark betroffen ist, hat für ihre Güterzüge Umleitungen über Frankreich, Schaffhausen-Singen und Brenner geplant. Das Unternehmen hat sein Personal speziell für diese Ausweichrouten geschult und den Personalbestand zur Bewältigung der Umleitungen erhöht. Trotz dieser Massnahmen warnt BLS Cargo vor einer möglichen betrieblichen Instabilität und beobachtet die Situation weiterhin genau.
SBB Cargo International engagiert sich
SBB Cargo International hat in Zusammenarbeit mit Captrain France, DB InfraGO und SNCF Réseau ein Umleitungskonzept mit einem Diesel-Shuttle auf der Strecke Wörth-Lauterbourg-Strasbourg-Offenburg entwickelt. Dieses Konzept wurde eingehend getestet, um mögliche Probleme zu erkennen und zu beheben und einen reibungslosen Betrieb während der Sperrung zu gewährleisten.
Rhein-Alpen-Korridor unter Druck
Das Bundesamt für Verkehr (BAV) hat zahlreiche für 2024 geplante Projekte entlang des Korridors Genua-Rotterdam skizziert, aus denen hervorgeht, welche Störungen im Laufe des Jahres auftreten können. Diese laufenden Arbeiten sind zwar für langfristige Verbesserungen notwendig, stellen aber eine ständige Herausforderung für die Schienengüterverkehrsbetreiber dar.
Die Sperrung des Rhein-Alpen-Korridors unterstreicht, wie wichtig es ist, alternative Strecken zu finden und innerhalb der Eisenbahnindustrie zusammenzuarbeiten, um einen effizienten Güterverkehr aufrechtzuerhalten und das Güterverkehrsaufkommen auf der Schiene zu erhalten und zu steigern.