DB erweitert Sicherheitsmaßnahmen nach tödlichem Angriff

DB erweitert Sicherheitsmaßnahmen nach tödlichem Angriff
© DB / Dominic Dupont
Die Deutsche Bahn wird ab 2026 alle Mitarbeiter mit Kundenkontakt mit Bodycams ausstatten. Dies ist Teil eines bundesweiten Aktionsplans zur Sicherheit im Schienenverkehr, der nach einem tödlichen Angriff auf einen DB-Mitarbeiter mit den Bundes- und Landesbehörden vereinbart wurde.

Die Deutsche Bahn (DB) hat ein umfassendes Sicherheitspaket angekündigt und gemeinsam mit der Bundesregierung, den Verkehrsministern der Bundesländer, Gewerkschaften und Vertretern der Verkehrsbranche einen bundesweiten „Aktionsplan für mehr Sicherheit im Schienenverkehr“ vereinbart. Die Maßnahmen folgen auf den tödlichen Angriff auf den DB-Mitarbeiter Serkan Çalar in einem Regionalzug und signalisieren eine koordinierte Umstellung auf verstärkte Prävention im gesamten Schienennetz.

Ab 2026 werden alle DB-Mitarbeiter mit direktem Kundenkontakt im Regionalverkehr, im Fernverkehr und an Bahnhöfen mit Bodycams ausgestattet. Der Einsatz dieser Kameras bleibt freiwillig. Parallel dazu wird die DB 200 zusätzliche Sicherheitskräfte an Bahnhöfen einsetzen, die persönliche Schutzausrüstung verbessern, Deeskalationstrainings ausweiten und ihr Notrufsystem („Prio-Ruf“) weiter ausbauen, um in kritischen Situationen schneller Hilfe leisten zu können.

© DB / Oliver Lang
© DB / Oliver Lang

Die Maßnahmen sind eine Reaktion auf die anhaltend hohe Gewalt gegen Bahnmitarbeiter. Im Jahr 2025 verzeichnete die DB 3.262 körperliche Übergriffe auf Mitarbeiter (versuchte und vollendete Fälle). Obwohl diese Zahl leicht unter dem Vorjahreswert liegt, bleibt sie auf einem historisch hohen Niveau und stellt einen Anstieg von 37 % gegenüber 2016 dar. Schwere Körperverletzungen machen nur ein bis zwei Prozent der Fälle aus, aber der langfristige Aufwärtstrend unterstreicht den wachsenden operativen Druck auf das Personal an vorderster Front.

Evelyn Palla, CEO of Deutsche Bahn, said:

„Unsere Position ist klar: Sicherheit erfordert eine entschlossene Haltung – in Bezug auf Personal, Technologie und Gesetzgebung. Deshalb handeln wir entschlossen und setzen mit konkreten Maßnahmen ein starkes Zeichen für mehr Sicherheit im Schienenverkehr. Wir stärken unsere Mitarbeitenden durch bessere Ausrüstung, zusätzliche Unterstützung und gezielte Präventionsprogramme. Unser Leitprinzip lautet Prävention statt Reaktion. Gleichzeitig verfolgen wir eine strikte Null-Toleranz-Strategie gegenüber jeder Form von Gewalt gegen unsere Mitarbeitenden.“

Über Maßnahmen auf Unternehmensebene hinaus sieht der gemeinsame Plan eine Ausweitung der Videoüberwachung in Zügen und Bahnhöfen, eine stärkere Personalpräsenz im Regionalverkehr und eine KI-gestützte Auswertung von Video- und Audioaufzeichnungen zur frühzeitigen Risikoerkennung vor. Außerdem sollen Gesetzesinitiativen zur Stärkung des strafrechtlichen Schutzes von Bahnmitarbeitern vorangetrieben werden. Konkrete Umsetzungsschritte sollen bis Ende April 2026 vereinbart werden.

Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder betonte die gemeinsame Verantwortung von Behörden und Betreibern:

„Bahnhöfe und Züge müssen sichere Orte sein. Das gilt gleichermaßen für Fahrgäste und Zugpersonal. Wir müssen daher alles in unserer Macht Stehende tun, um die Sicherheit in den Zügen weiter zu erhöhen. Ich bin zuversichtlich, dass wir auf der Grundlage des Aktionsplans schnell Verbesserungen umsetzen können.“

Das Thema wird auch auf der bevorstehenden Verkehrsministerkonferenz Ende März offiziell behandelt werden, wo voraussichtlich zusätzliche Maßnahmen für den regionalen Personenverkehr diskutiert werden.

Christian Bernreiter, Vorsitzender der Verkehrsministerkonferenz, unterstrich die Rolle der Bundesländer im Regionalverkehr:

„Die Sicherheit in Zügen und im gesamten öffentlichen Nahverkehr muss oberste Priorität haben – für Mitarbeiter ebenso wie für Fahrgäste. Als Auftraggeber für den Regionalverkehr sind die Bundesländer in dieser Frage äußerst besorgt und unterstützen eine verstärkte sicherheitsorientierte Personalpräsenz in Regionalzügen.“

Für europäische Bahnbetreiber spiegelt die deutsche Initiative eine breitere Debatte über die betriebliche Widerstandsfähigkeit, den Schutz der Belegschaft und die Sicherheit der Fahrgäste in zunehmend ausgelasteten öffentlichen Verkehrssystemen wider.


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