Die SBB arbeitet an einem neuen Produktionsmodell für Stückguttransporte in der Schweiz, das Teil ihrer umfassenden Bemühungen ist, den Schienengüterverkehr wirtschaftlich nachhaltig zu gestalten.
Ab dem Fahrplanwechsel am 13. Dezember 2026 wird das System stärker an die Kundennachfrage angepasst. Rund 50 Haltepunkte mit sehr geringer Nachfrage werden im Einzelwagenverkehr nicht mehr angefahren, verglichen mit derzeit etwa 280 Haltepunkten.
Laut SBB können diese Standorte auf Kundenwunsch weiterhin mit Ganzzügen bedient werden. Trotz der Reduzierung der Einzelwagen-Abholstellen rechnet das Unternehmen damit, rund 98 % des derzeitigen Transportvolumens weiter zu befördern, was durch eine bessere Auslastung der Züge ermöglicht wird.
Die Umstellung ist Teil der Umstrukturierung eines Geschäftsbereichs, den die SBB als stark defizitär bezeichnet. Die Eidgenossenschaft hat als Eigentümerin der SBB das Ziel festgelegt, dass der Güterverkehr ab 2033 wirtschaftlich selbsttragend sein soll.
Die Reform wird durch verschiedene Maßnahmen gestützt. Die Bundesregierung gewährt über einen Zeitraum von acht Jahren vorübergehende Fördermittel für den Einzelwagenverkehr, während von den Kunden erwartet wird, dass sie sich durch kostendeckende Preise und langfristige Verträge an den Kosten beteiligen.
Die Umstrukturierung wird zudem rund 200 Mitarbeitende in der ganzen Schweiz betreffen, darunter etwa 130 in der Deutschschweiz, 40 im Tessin und 30 in der Westschweiz. Laut SBB handelt es sich bei den meisten Veränderungen eher um einen Wechsel des Arbeitsortes als um Stellenabbau; Entlassungen seien die Ausnahme.
Den betroffenen Mitarbeitenden werden Alternativen innerhalb von SBB Cargo Schweiz, an anderen Standorten der SBB, bei Tochtergesellschaften, bei Partnerbahnen oder im Rahmen einer begleiteten beruflichen Neuorientierung angeboten. Das Unternehmen erklärt, dass es sich an den geltenden Gesamtarbeitsvertrag halten werde.
Das Betriebspersonal wird von Standorten mit sehr geringem Verkehrsaufkommen oder nur einer geringen Anzahl von Mitarbeitenden abgezogen. Dies betrifft das Lokpersonal in Brig, Buchs (SG) und Chiasso sowie das Rangierpersonal in Thun, Rothenburg, Yverdon, Payerne, Freiburg, Delémont, Martigny und Wil. Die Standorte in Schaffhausen und Frauenfeld sollen voraussichtlich bis 2028 bzw. 2029 in Betrieb bleiben.
Die SBB argumentiert, dass der Einzelwagenverkehr für die Schweizer Lieferketten, die Sicherheit und die Klimaziele nach wie vor von Bedeutung ist. Ohne ihn könnten in der Schweiz jährlich bis zu eine Million zusätzliche Lkw-Fahrten auf den Straßen anfallen.
Nach Angaben des Unternehmens soll das neue Modell dazu beitragen, das nationale Schienengüterverkehrsangebot zu sichern und gleichzeitig die Kosten zu senken sowie die Effizienz zu steigern. Je nach Kundennachfrage könnten weitere Anpassungen bei den Bedienungsorten und Betriebsstandorten folgen.