Die TSI Telematik (Technische Spezifikation für die Interoperabilität - Telematikanwendungen für den Güterverkehr, TAF TSI) ist ein Rechtsrahmen der Europäischen Union zur Standardisierung der digitalen Kommunikation und des Datenaustauschs im Schienengüterverkehrssektor. Sie ist Teil der umfassenderen Bemühungen zur Schaffung eines harmonisierten Eisenbahnsystems in ganz Europa, das sowohl die Infrastruktur als auch das rollende Material umfasst.
Die Europäische Kommission überarbeitet die TSI Telematik, um die Interoperabilität zwischen den Betreibern zu erhöhen, die Sichtbarkeit der Lieferkette zu verbessern und möglicherweise dieselben Digitalisierungsgrundsätze sowohl auf den Güter- als auch auf den Personenverkehr auszuweiten.
Eines der zentralen Themen ist die 2016 eingeführte "Rotterdam-Klausel", die es den am selben Güterverkehrsdienst beteiligten Akteuren ermöglicht, bestimmte betriebliche Nachrichten untereinander auszutauschen, sofern die Parteien identifizierbar sind. Die Klausel soll Verladern und Logistikanbietern während des Schienenabschnitts des kombinierten Verkehrs Transparenz und Track-and-Trace-Möglichkeiten bieten. Die Umsetzung dieser Klausel ist Gegenstand von Untersuchungen, da ihre Grundsätze in der Praxis nur begrenzt anwendbar sind.
Standpunkt der UIRR: Rotterdam-Klausel und Mindestdatenaustausch
Die Internationale Vereinigung für den Kombinierten Verkehr Schiene-Straße(UIRR) fordert die vollständige Anwendung der Rotterdam-Klausel in der aktualisierten TSI Telematics Framework. Die Organisation unterstreicht, dass die gemeinsame Nutzung von Daten ohne administrative, rechtliche oder kommerzielle Hindernisse möglich sein muss, während gleichzeitig vertrauliche Geschäftsinformationen geschützt werden.
Die UIRR schlägt vor, dass die gemeinsame Nutzung eines Minimums an relevanten Planungs-, Prognose- und Statusinformationen zu einem Grundprinzip für kombinierte Transportketten werden sollte. Die UIRR ist der Ansicht, dass eine Verringerung des Umfangs und der Häufigkeit des Datenaustauschs dazu beitragen würde, eine unnötige Datenflut zu vermeiden und die mit der Datenverteilung und -speicherung verbundenen Kosten zu begrenzen. Der Schwerpunkt sollte auf der Bereitstellung wesentlicher Informationen liegen, die eine effiziente Logistikplanung unterstützen, ohne dass kommerziell sensible Daten übermäßig offengelegt werden.
Die UIRR betont außerdem, dass die Identifizierung aller Beteiligten der Lieferkette und die Ermöglichung eines Datenaustauschs ohne restriktive Bedingungen der Schlüssel zur Verbesserung der Track-and-Trace-Möglichkeiten für intermodale Kunden sind.
Praktische Anwendungsfälle: Planung und Zuverlässigkeit im kombinierten Verkehr
Zwei praktische Beispiele verdeutlichen, warum ein harmonisierter Datenaustausch von der Gemeinschaft des kombinierten Verkehrs als notwendig erachtet wird:
- Optimierung der StraßenabschnitteDerzeit müssen Verlader oder Logistikdienstleister, die den intermodalen Schienengüterverkehr nutzen, an jedem Container bzw. jeder Ladeeinheit individuelle Ortungsgeräte installieren. Dieser fragmentierte Ansatz erhöht die Kosten und schränkt die grenzüberschreitende Interoperabilität ein. Die UIRR schlägt vor, dass die gemeinsame Nutzung der Daten von Infrastrukturbetreibern, Eisenbahnunternehmen und intermodalen Terminals kosteneffizienter wäre und jeden Verlader davon entbinden würde, eigenständige Tracking-Lösungen zu entwickeln.
- Verlässliche Sichtbarkeit der TransportketteDie Empfänger benötigen genaue, aktuelle Informationen, um Abholtermine und Produktionsaktivitäten zu planen. Standardisierte Aktualisierungen des Transportfortschritts, geschätzte Ankunftszeiten und Störungsmeldungen würden den Nutzern des intermodalen Schienengüterverkehrs mehr Zuverlässigkeit bieten. Derzeit hängt der Informationsaustausch auf diesem Niveau von individuellen Vereinbarungen ab und ist noch nicht branchenweit üblich.
Die UIRR setzt sich für einen standardisierten, selektiven Datenaustausch ein, der eine solche Planung und Koordination unterstützt, ohne übermäßige Kosten oder administrative Hürden zu verursachen.
Antrag der Gemeinschaft des kombinierten Verkehrs
Der Sektor des kombinierten Verkehrs schlägt zwei wesentliche Anpassungen der TSI Telematik-Verordnung vor:
- Harmonisierter Datenaustausch ohne unfaire EinschränkungenDie Regeln für die gemeinsame Nutzung von Daten sollten die gesamte durchgehende Transportkette abdecken, einschließlich sekundärer Empfänger wie Logistikdienstleister. Die UIRR betont, dass für den digitalen Austausch von Fahrplan-, Status- und Störungsinformationen keine separaten Gebühren für die Verbreitung und Speicherung anfallen sollten.
- Selektiver offener Datenaustausch zwischen den AkteurenMindestdatensätze sollten klar definiert und autorisierten Akteuren zugänglich gemacht werden, ohne dass besondere vertragliche Vereinbarungen erforderlich sind. Die UIRR arbeitet an der Festlegung dieser Standards und stellt sicher, dass die IT-Systeme den Umfang des Informationsaustauschs entsprechend den Kundenanforderungen und Vertraulichkeitsanforderungen einschränken oder anpassen können.
Der intermodale Sektor betont, dass die aktualisierte TSI-Telematikverordnung ein Gleichgewicht zwischen Datentransparenz, dem Schutz sensibler Informationen und der betrieblichen Durchführbarkeit für alle Beteiligten herstellen muss.
FerCargo äußert Bedenken hinsichtlich Kosten und Praktikabilität
FerCargo, die Interessenvertretung der italienischen Schienengüterverkehrsbetreiber, hat sich besorgt über den aktuellen Entwurf der TSI-Telematikverordnung geäußert. Die Organisation warnt davor, dass die Anwendung der Vorschriften für Personenbeförderungsdaten auf den Güterverkehr unverhältnismäßige Verpflichtungen auferlegen und die Kosten erhöhen könnte, wovon vor allem kleine und mittlere Unternehmen betroffen wären.
FerCargo übermittelte dem italienischen Ministerium für Infrastruktur und Verkehr technische Rückmeldungen und forderte, dass wirtschaftlich sensible Informationen ausgeschlossen werden, dass die Verpflichtungen zur gemeinsamen Datennutzung verhältnismäßig bleiben und dass eine finanzielle Unterstützung für die Betreiber, die sich auf das neue System einstellen, in Betracht gezogen wird.
Der Verband forderte außerdem nachvollziehbare, realistische Prozesse für den Datenaustausch und bekräftigte seine Bereitschaft, mit nationalen und EU-Behörden zusammenzuarbeiten, um einen praktischen, nachhaltigen Ansatz für die Digitalisierung des Schienengüterverkehrs zu entwickeln.