Für den nächsten mehrjährigen Finanzrahmen (MFR) der Europäischen Kommission wird derzeit ein Vorschlag ausgearbeitet, der ein spezielles Forschungs- und Innovationsprogramm in Höhe von 3 Milliarden Euro für den Schienenverkehr vorsieht.
Schwerpunktbereiche: von bestehenden Plattformen zu neuen Anwendungen
Das vorgeschlagene Programm würde auf Technologien aufbauen, die im Rahmen früherer und laufender gemeinsamer Unternehmungen wie Shift2Rail und Europe's Rail entwickelt wurden. Zu den im Mittelpunkt stehenden Technologien gehören das Europäische Eisenbahnverkehrsleitsystem (ERTMS), das künftige mobile Eisenbahnkommunikationssystem (FRMCS) und die digitale automatische Kupplung (DAC). Diese Systeme befinden sich in verschiedenen Reifestadien und wurden bereits getestet oder teilweise in europäischen Netzen eingesetzt.
Ein Hauptziel ist es, diese Plattformen auszubauen und gleichzeitig die Voraussetzungen für neue Anwendungen wie den automatischen Zugbetrieb (ATO) und andere digitale Lösungen zu schaffen. Die Investition wird als Mittel beschrieben, um die Entwicklung fortzusetzen und den schrittweisen Übergang von der Forschung zur Vorab-Einführung im gesamten EU-Eisenbahnsystem zu unterstützen.
Überlegungen zur industriellen Basis und zur Lieferkette
Der Vorschlag spiegelt die allgemeine Sorge um die Aufrechterhaltung der industriellen Kapazitäten in der EU wider, insbesondere angesichts der anhaltenden Unterbrechungen der globalen Lieferketten. Er unterstreicht, wie wichtig es ist, die Kontrolle über die Entwicklung und Produktion der wichtigsten Eisenbahntechnologien in Europa zu behalten. Da die europäischen Anbieter von rollendem Material und Signaltechnik weiterhin eine starke Exportposition innehaben, wird die Forschungsagenda als eine Komponente der industriellen Widerstandsfähigkeit betrachtet.
Der Rahmen ist in die umfassenderen Diskussionen über die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Wirtschaft eingebettet, einschließlich der im Draghi-Bericht angesprochenen Themen. Die Schiene wird im Zusammenhang mit dem digitalen und grünen Wandel erwähnt, insbesondere in Bezug auf Dekarbonisierungsziele und Maßnahmen zur Verkehrsverlagerung.
Verknüpfung von Forschung und Einsatz
Parallel zum Antrag auf Forschungsmittel wird ein zusätzlicher Vorschlag für einen Fahrplan zur Vorbereitung der Einführung formuliert. Damit soll die Einführung von Schlüsseltechnologien - wie FRMCS, DAC, ATO und ERTMS - in den Betriebsnetzen der EU beschleunigt werden. Der Fahrplan soll die technische und finanzielle Struktur schaffen, die erforderlich ist, um diese Systeme über die Pilotphase hinaus zu verbreiten.
Die Umsetzung würde mit den langfristigen EU-Verkehrszielen verknüpft, einschließlich der Fertigstellung des transeuropäischen Verkehrsnetzes (TEN-V) und der Fortschritte auf dem Weg zum einheitlichen europäischen Eisenbahnraum (SERA). Die Forschungsinvestition würde auch als eines der Instrumente zur Erreichung der EU-Klimaziele für 2050 positioniert werden, einschließlich einer prognostizierten Verringerung der verkehrsbedingten Treibhausgasemissionen um 90 %.
Zeitplan und politischer Prozess
Die Zuteilung der Mittel wäre Gegenstand von Verhandlungen im Rahmen des umfassenderen MFR-Prozesses und wird voraussichtlich bei den anstehenden Diskussionen über das RP10 behandelt. Das Ergebnis wird sowohl das Tempo und die Richtung der Forschungstätigkeiten für das nächste Jahrzehnt als auch die Kapazität für die industrielle Umsetzung im gesamten EU-Eisenbahnsektor beeinflussen.