Der intermodale Schienengüterverkehr in Europa tritt in eine neue Phase ein, die eher durch selektives Wachstum als durch eine netzweite Expansion gekennzeichnet ist. Zwar hat sich der Markt nach einem starken Rückgang im Jahr 2023 stabilisiert, doch strukturelle Zwänge verhindern weiterhin eine breit angelegte Erholung.
„Der intermodale Schienengüterverkehr bleibt ein wichtiger Markt, unterliegt jedoch nun neuen Regeln“, sagt Maria Leenen, geschäftsführende Gesellschafterin bei SCI Verkehr. „Wachstum findet nun dort statt, wo Kapazität, Kostenkontrolle und zuverlässige Nachfrage zusammenkommen – nicht mehr flächendeckend.“
Steigende Energiekosten, höhere Trassengebühren und anhaltende Kapazitätsengpässe – insbesondere auf deutschen und alpinen Korridoren – schwächen die Wettbewerbsfähigkeit traditioneller offener intermodaler Netzwerke im Vergleich zum Straßenverkehr. Infolgedessen geraten klassische Hub-and-Spoke-Modelle zunehmend unter Druck.
Gleichzeitig verschiebt sich das Wachstum geografisch und strukturell. Der maritime Hinterlandverkehr profitiert von höheren Importvolumina, Veränderungen bei den Hafenanläufen und der wachsenden Bedeutung effizienter Bahnverbindungen zu Seehäfen. Auch Randmärkte wie Polen, Spanien und Südosteuropa gewinnen an Bedeutung, unterstützt durch öffentliche Förderprogramme und neue Terminalinvestitionen.
Eine weitere wichtige strukturelle Veränderung ist die zunehmende Bedeutung der vertikalen Integration. Große Verlader, Logistikkonzerne und Hafenbetreiber übernehmen eine aktivere Rolle, indem sie eigene Zugdienste, spezielle Strecken und langfristige Volumenverpflichtungen betreiben. Diese Modelle ersetzen nach und nach die traditionellen Open-Access-Angebote und verändern die Wettbewerbsdynamik auf dem europäischen Markt für intermodalen Schienengüterverkehr.